Schweizer Auktionen
Ein Auktionator wehrt sich: «Wir sind an Fälschungen nicht interessiert»

Ein seriöses Auktionshaus könne es sich nicht leisten zu tricksen. Cyril Koller, Chef des grössten Schweizer Auktionshaus, erklärt, wie er Fälschungen und Schwarzgeld aus dem Weg geht.

Sabine Altorfer
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Ferdinand Hodlers «Der Frühling» ist mit einem Schätzpreis von 4 bis 6 Millionen Franken ein Spitzenlos bei Koller.

Ferdinand Hodlers «Der Frühling» ist mit einem Schätzpreis von 4 bis 6 Millionen Franken ein Spitzenlos bei Koller.

Koller Auktionen AG, Zürich.

Er höre unterschwellig viele und falsche Vorwürfe gegen den Kunsthandel. Das schrieb mir der Zürcher Auktionator Cyril Koller auf meinen Artikel, in dem ich Kunstfälscher-Skandale mit Fälscher-Romanen konfrontierte. Und er bot mir ein klärendes Gespräch an.

«Wir sind nicht an Fälschungen und krummen Geschäften wie Steuerhinterziehung und Geldwäsche interessiert», betont Koller gleich zu Beginn. «Das will und kann sich kein seriöses Auktionshaus leisten. Wir wären sonst schnell weg vom Fenster.» Aber der Inhaber des grössten Schweizer Auktionshauses weiss auch, dass nicht nur die Skandal-Schlagzeilen zu Spekulationen und Gerüchten führen. «Sehen Sie, in unserem Geschäft verbinden wir zwei Dinge: Kunst und Geschäft. Das ist für viele Leute ein unüberwindbarer Gegensatz – oder gar anrüchig.» Aber Kunst sei eben nicht nur etwas Schönes und Hehres, sondern seit je auch ein materieller Wert. Für Besitzer, Künstler und Händler.

So wird geprüft

Im Film über den Jahrhundert-Fälscher Wolfgang Beltracchi erklärt ein Kunsthistoriker, eigentlich sei niemand daran interessiert, Fälschungen zu entlarven, weil alle von einem neu entdeckten Werk profitierten: die Sammler und die Händler auf ihrer Suche nach frischer Ware, die Experten, Verkäufer und Fälscher. «So funktioniert das nicht», sagt Koller. «Es mag sein, dass mal eine Fälschung durchrutscht, aber der Anteil bewegt sich im niedrigsten Prozent- oder Promille-Bereich.»

Jedes Kunstwerk, das jemand zur Auktion einliefern will, werde geprüft. Koller Auktionen haben für jeden Bereich – alte Kunst, 19. Jahrhundert, Moderne, Zeitgenössisches – eigene und externe Spezialisten. «Die italienischen Alten Meister beispielsweise werden von unserem externen Spezialisten angeschaut – und zwar alle, nicht nur die Spitzenwerke. Wenn er einen Zweifel hat, holen wir den Experten für diesen Maler oder für diese Region und lassen allenfalls wissenschaftliche Analysen machen.» Im Zweifelsfall betrachte man ein Werk so lange als falsch, bis man das Gegenteil beweisen könne. Und wenn nicht, so nehme man es nicht an. Zur elementaren Sorgfaltspflicht gehöre es auch, auf den einschlägigen Online-Portalen wie lostart zu checken, ob es sich nicht um geraubte oder vermisste Werke handelt.

Diskretion ist oberste Maxime

Die Auktionshäuser betonen, dass all ihre Werke öffentlich einsehbar sind, dass sie in Katalogen und im Internet nicht nur aufgelistet, sondern abgebildet, oft noch beschrieben und mit Herkunftsangaben versehen sind. Nun machen aber nicht nur Galerien und Händler, sondern auch Auktionshäuser immer mehr Privatverkäufe. Das heisst, sie bringen Werke gar nicht mehr an ihre Auktionen, sondern vermitteln sie direkt und ohne Publikation an Sammler. Warum? Koller listet verschiedene Gründe auf: «Manche Leute möchten nicht, dass jemand aus ihrem Bekanntenkreis erfahren könnte, dass sie ein Kunstwerk verkauft haben – oder verkaufen mussten.» Oft seien es aber auch Werke, die vor kurzem schon gehandelt wurden – und wenn ein Bild zu oft auf dem Markt erscheint, mindert das seinen Wert.

Die Auktionshäuser geben bei den Werken jeweils die Provenienz an, also die Herkunft, die möglichst genaue Besitzer- und Handelskette und wo ein Bild ausgestellt oder in einem Buch publiziert war. Wer es verkauft oder kauft, das erfährt man im Normalfall aber nicht. Unterbricht nicht gerade diese Geheimniskrämerei die Provenienz-Kette? Diskretion ist für Koller oberste Maxime. «Möchten Sie, dass die ganze Welt erfährt, dass Sie für 100 000 Franken oder mehr ein Werk verkauft haben?» Und es sei keine Geheimniskrämerei: «Das Werk und sein Verkauf ist in unserem Katalog dokumentiert. Spielt es eine Rolle ob Frau Müller oder Herr Meier der Besitzer ist?» Zudem müssen die Auktionshäuser alle Unterlagen über 30 Jahre archivieren.» Wenn ein Museum ein Werk für eine Ausstellung ausleihen will, kann es den Besitzer via das Auktionshaus anfragen.

Müssen die Auktionshäuser die Verkäufer, die allenfalls grosse Gewinne machen, den Steuerbehörden melden? «Nein, zum Glück nicht», sagt Koller und fragt zurück: «Von welchem Menschenbild gehen Sie aus? Dass alle Leute a priori Betrüger sind oder ehrliche Bürger, die ihre Steuern und Pflichten erfüllen?» Das Geld für Verkäufe werde auf das Konto des Verkäufers überwiesen, dieses gewachsene Vermögen gibt man an.

Kein Bargeld

Banken müssen bei grösseren Summen klären, woher das Geld stammt. Wie geht ein Auktionshaus vor, wenn jemand hunderttausend Franken oder mehr in bar bezahlt? «Das gibts bei uns nicht mehr», sagt Koller. «Wenn jemand über 15 000 Franken in bar bezahlen will, muss man mir das melden. Wenn es ein neuer Kunde ist, dann wollen wir den Pass und eine Erklärung.»

Geldwäscherei und Steuerhinterziehung sind Vorwürfe, die man im Umfeld des Kunsthandels immer wieder hört. Als Indiz dafür dient etwa das Wachstum der Zollfreilager. Dort werde unverzollte Ware vor den Behörden versteckt. Auch hier ereifert sich Koller. Man dürfe doch nicht wegen einiger schwarzer Schafe gleich etwas an sich Gutes verteufeln. «Grosse Sammler wissen beim Kauf oft noch nicht, wohin sie ein Werk definitiv bringen wollen. Viele mieten deshalb einen Raum in einem Zollfreilager, dort ist die Kunst sicher und klimatisch gut gelagert, man kann Administratives abwickeln lassen – die Zollgebühren bezahlt man dann bei der definitiven Ausfuhr.»

Zum Schluss landen wir wieder beim Thema Fälschung. Koller belegt mit einer hübschen Anekdote, dass Fälschungen kein neues Phänomen sind: Michelangelo habe antike Statuen gefälscht, um seine Kunstfertigkeit zu beweisen. Aber Fälscher würden immer raffinierter, in der Herstellung und in der Suche nach Vertriebskanälen. «Da müssen wir dranbleiben», sagt Cyril Koller. Er habe das Buch über den Fälscher Beltracchi all seinen Fachleuten geschenkt. «Ich finde es sehr aufschlussreich und es lehrt uns, noch vorsichtiger zu sein.»

Daten Auktionen Schweiz

Im Frühsommer und Herbst ist in der Schweiz Auktionssaison. Die wichtigsten Daten:

Sotheby’s, Zürich. Schweizer Kunst: 27. Mai

Germann, Zürich: 2.– 4. Juni

Auktionshaus Zofingen: 12.–14. Juni

Fischer, Luzern: 18.– 20. Juni

Kornfeld, Bern: 19.– 20. Juni

Beurret & Bailly, Basel: 21. Juni

Koller, Zürich. Schweizer Kunst: 27. Juni

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