Kunstmarkt
Diese Highlights der Schweizer Kunst kommen jetzt unter den Hammer

Bei drei grossen Auktionshäusern steht in den nächsten Tagen «Schweizer Kunst» auf dem Terminplan. Die Schätzpreise liegen höher als in den von viel Vorsicht geprägten Jahren 2009 und 2010.

Sabine Altorfer
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Diese Highlights der Schweizer Kunst kommen unter den Hammer
8 Bilder
Ferdinand Hodler (1853-1918) Genfersee von Chexbres aus. Öl auf Leinwand, 81 x 100 cm Schätzpreis: 3-5 Mio. Fr. Sotheby‘s
Alberto Giacometti (1901-1966) Bruno Giacometti à l'atelier familial à Maloja, um 1920 Schätzpreis : 1.2-1.8 Mio. Fr. Christie’s
Cuno Amiet (1868-1961) Knabe. 1929. Öl auf Leinwand. 48,5 x 40 cm. CHF 20 000 / 30 000. Koller
Varlin (Willy Guggenheim 1900-1977) Zwerge in Battersea,1955 Öl, Kohle und Pigment auf Leinwand 120,5 x 90,5 cm Schätzpreis: 60 000-80 000 Franken. Sotheby‘s
Max Bill (1908-1994) Konstruktion aus drei gleichen Kreisscheiben (Version III), 1994 Schätzpreis: 200 000-300 000 Franken. Christie‘s
Alexandre Calame (1810-1864) Paysage avec arbres, eau, bergers et vaches. 1842. Öl auf Leinwand. 57 x 45 cm. CHF 30 000 / 40 000 (Koller)
Emma Kunz (1892-1963) Geometrische Komposition. Bleistift und Farbstift auf Millimeterpapier. 104 x 105 cm. CHF 7 000 / 9 000 Koller

Diese Highlights der Schweizer Kunst kommen unter den Hammer

Zur Verfügung gestellt

Nach der grossen Segantini-Ausstellung in der Fondation Beyeler habe er einige Anfragen bekommen, ob er einen schönen Giovanni Segantini im Angebot oder in Aussicht habe, erzählt Cyril Koller. «Leider sind keine wirklich schönen Bilder aus der besten divisionistischen Phase des Künstlers auf dem Markt, sie würden sonst tolle Preise machen.» Aber statt nicht erhaltenen Bildern nachzutrauern, spricht der Besitzer von Koller Auktionen Zürich lieber über das, was bei ihm nächstens unter den Hammer kommt.

Die Angebote für die kommenden Spezialauktionen mit Schweizer Kunst in den drei grossen Häusern sind stattlich, die Schätzpreise eher höher als in den von viel Vorsicht geprägten Jahren 2009 und 2010. Auffällig ist, dass bei allen das Augenmerk vor allem auf einige klingende Namen gerichtet wird. Oft sind es Künstler, die in den letzten Jahren in Museen wieder entdeckt oder prominent präsentiert worden sind.

Ist es also generell so, dass Museums-Ausstellungen den Kunstmarkt, insbesondere die Auktionen und auch die Preise antreiben? «Messbar ist das nicht», sagt Urs Lanter, der Fachmann Schweizer Kunst bei Sotheby’s Zürich. «Aber Ausstellungen schaffen Aufmerksamkeit für einen Künstler.»

Museen geben Gütesiegel

Wir wollten es genauer wissen. Auffällig ist, dass in diesem Jahr Werke von Ernest Biéler (1863–1948) auftauchen. Bei Sotheby’s sind es zwei typische Porträts, bei Christie’s sogar sechs Werke, darunter ein symbolistisches Hirtenbild, eine Juralandschaft und ein Frauenporträt. Das Werk des Westschweizers hat das Kunstmuseum Bern diesen Sommer und Herbst in einer grossen Retrospektive aus der Vergessenheit geholt. Der Anker der Westschweiz hat ein vielseitiges Œuvre hinterlassen, von impressionistischen Anfängen über symbolistische Arbeiten bis zum vom Jugendstil beeinflussten Spätwerk.

Hans-Peter Keller, seit 10 Jahren bei Christie’s verantwortlich für Schweizer Kunst, erklärt die Mechanismen in diesem Fall: «Eine solche Ausstellung kann Einlieferer und mögliche Käufer animieren.» Kunstsammler sähen die Ausstellung und möchten ein Werk. «Besitzer, die ein Werk an eine solche Ausstellung ausleihen, lassen das Werk wegen der Versicherung meist neu schätzen. Sie merken dabei vielleicht, welchen Schatz sie besitzen – und überlegen sich, ob sich ein Verkauf lohnen würde.» So wird der Markt also doppelt angeregt.

Kommt dazu, dass der Wert eines Gemäldes durch wichtige Ausstellungen gesteigert wird. Urs Lanter: «Für Käufer ist es ein Gütesiegel, dass Kunstwissenschafter oder Museumskuratoren ein Werk bei ihrer Auswahl berücksichtigt haben.» Und zudem bestätige die Aufnahme eines Gemäldes in einen Œuvre-Katalog oder in eine Ausstellung auch seine Echtheit. Die Auktionshäuser führen deshalb in ihren Katalogen immer sehr gern und präzis auf, in welchen Büchern und Ausstellungen ein Gemälde erwähnt ist. Und natürlich auch, wer es vorher besessen hat. Wenn es ein berühmter Sammler wie Ernst Beyeler war, von dem Christie’s ein ganzes Paket aus dem Nachlass seiner Galerie verkauft, so wirkt das nochmals preistreibend.

Internationale Nachfrage

Eher tief bewertet im Vergleich zu den Cracks der Jahrhundertwende sind etwa die Zürcher Konkreten. Die Schätzpreise bei Max Bill, Richard Paul Lohse oder Verena Loewensberg sind oft tiefer als die Galerienpreise zu Lebzeiten der Künstler. «Die Ausstellungen und Aktivitäten zu Bills 100. Geburtstag haben aber einiges bewegt», sagt Hans-Peter Keller, «die Konkreten sind im Aufwärtstrend.»

Seit Jahren ist Ferdinand Hodler (1853–1918) Spitzenreiter der Schweizer Auktionen. Seine Gemälde erzielen regelmässig Hammerpreise von mehreren Millionen Franken. Ein Markt-Selbstläufer, sollte man meinen. Aber die Fachleute der Auktionshäuser bestätigen, dass die vielen grossen Ausstellungen u.a. in Japan, Paris, Zürich und Bern (2005 bis 2010) dem Markt Schub verliehen haben. «Sie haben Hodler international wieder ins Gespräch gebracht.

Man darf ja nicht vergessen, dass er wie auch Amiet und andere zu Lebzeiten sehr international agierten», erklärt Hans-Peter Keller. Und er fügt an: «Wir haben heute mehr ausländische Interessenten an Schweizer Kunst als noch vor zehn Jahren.» Lange habe man ennet der Grenze nur von Alberto Giacometti gesprochen, jetzt seien aber auch Giovanni Giacometti, Cuno Amiet und selbst Albert Anker gefragt. Einzelne Spitzenwerke werden deshalb auch in London, Paris oder New York vor der Auktion in Zürich präsentiert – und alle sind in den Online- Katalogen weltweit abrufbar.

Auch das Angebot an Werken von Cuno Amiet (1868–1961) ist breiter als auch schon. Ein Blick in den Ausstellungskalender zeigt: Aktuell ist er in Bern und Solothurn zu sehen. Das Revival für das farbenfrohe, expressive Frühwerk des Solothurner Malers hat in Museen und parallel an Auktionen schon länger begonnen – und hält an.

Hohe Preise als Treibfeder

Ähnliches gilt für Albert Anker (1831–1910). Er ist der bestvertretene Künstler 2011. Bei ihm bestätigen die Auktions-Experten ebenfalls den Preis- und Popularitäts-Schub durch die grossen Ausstellungen in der Schweiz wie in Übersee. Wichtiger ist für sie aber Ankers Auktionsgeschichte. «Die Preise und die Nachfrage bei Anker sind so stark gestiegen, dass viele verkaufswillig geworden sind», erklärt Cyril Koller. Und Urs Lanter ist sicher, dass der Boom anhält, «denn nicht alle die einen Anker wollten sind bisher zum Zug gekommen». So wird im Moment selbst Nebensächliches und Zweitklassiges angeboten.

Doch der Markt ist unberechenbar: Schlagzeilen gemacht hat diesen Sommer der Verkauf des Aquarells «Lesendes Mädchen» für 900000 Franken beim Berner Auktionshaus Dobiaschofsky. Schätzpreis 75000 Franken. Erklären können das auch die Experten nicht, doch das Schockresultat wirkt nach. Einlieferer nähmen es als Messlatte, klagen die drei befragten Auktionsfachleute. Doch keiner von ihnen will bei den Schätzungen so hoch pokern. Denn wenn Bilder keine Käufer finden, ist das immer auch ein Image-Schaden für ein Auktionshaus. Und was mal zurückging, gilt im Jargon als «verbranntes Bild».

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