Theater
Der «Menschenfeind»: Aufrichtig sein hat seinen Preis

Barbara Frey zeigt am Zürcher Pfauen das Salonstück «Menschenfeind» von Molière. Es ist eine bittere Komödie, treu nach dem Text und vergnüglich gespielt – nicht mehr und nicht weniger.

Urs Bugmann
Drucken
Teilen
Michael Maertens als Alceste, Yvon Jansen als Célimène und Denise Frei als Zimmermädchen (v. l.).

Michael Maertens als Alceste, Yvon Jansen als Célimène und Denise Frei als Zimmermädchen (v. l.).

ho

Üppig ist der Salon auf der Pfauenbühne ausgestattet, eine steinerne Treppe führt hinten zu den oberen Räumen, rechts ein Aufzug, der sein Eintreffen mit hellem Klingelton ankündigt. Etwas versteckt im Hintergrund sitzt
Iñigo Giner Miranda am Flügel. Er wird später als Kellner seinen grossen Auftritt haben. In der Mitte vorn steht auf der Bühne von Bettina Meyer ein kreisrundes Sofa.

Molières Komödie «Der Menschenfeind» spielt in Barbara Freys Inszenierung, vorab in den Kostümen von Esther Geremus, gleichzeitig im Heute und in einer vergangenen Zeit, als die Mehrbesseren noch bei Hofe verkehrten.

Gegen Schmeichelei

Michael Maertens spielt den Menschenfeind Alceste, der seinen nutzlosen Kampf gegen Schmeichelei und Lügen, für schonungslose Aufrichtigkeit führt. Er macht sich nichts als unbeliebt, selbst seine Liebe vernichtet er durch den Anspruch auf unzweifelhafte Erklärung, die er der Geliebten abfordert.

Yvon Jansen zeigt Célimène, die gesellige junge Witwe, die den misstrauischen Alceste liebt, als starke Frau, die bei aller Standhaftigkeit dennoch untergeht. Gegen diesen Mann ist kein Kraut gewachsen. Ihre grosse Szene hat Célimène, wenn sie mit Arsinoé, von Gottfried Breitfuss hinreissend komisch gespielt, wechselweise um die Wette lästert. Jetzt wird sichtbar, wie sehr sich Alceste und sein «Opfer» Célimène im Grunde gleichen.

Barbara Frey legt das Stück auf geschmeidiges, genüssliches Auskosten an – das gibt schon die von ihr verwendete gereimte Übersetzung von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens vor. Oronte (Matthias Bundschuh), der mit seinem hilflosen Sonett von Alceste zerzaust wird, gibt das Gegenbild mit seinen holprigen, falsch betonten Reimen. Seine Verklemmtheit kippt zuweilen in den blanken Schwank.

Zwischen subtil und plump

Feiner ziseliert ist die Komik im Spiel des Pianisten, der spanisch drauflos parliert, den Cognac auf- und abserviert und selber austrinkt und am Flügel Begleitmusik andeutet. Der Diener Basque (Samuel Braun) geht in der Hüfte waagrecht abgeknickt und stösst bei jedem Abgang zuverlässig an die Wand.

Den Herren, die mehr und minder eifrig Célimène umwerben und damit Alceste ärgern, gelingt die Gratwanderung zwischen subtil und plump nicht immer, während Olivia Grigolli als Eliante die herbe Rolle der zurückgesetzten Cousine untadelig spielt. Es ist eine bittere Komödie, treu nach dem Text und vergnüglich gespielt – nicht mehr und nicht weniger.

Der Menschenfeind Schauspielhaus Zürich, Pfauen. Nächste Vorstellungen: 20., 21., 26., 29., 30. Januar. Tickets Tel. 044 258 77 77, www.schauspielhaus.ch

Aktuelle Nachrichten