Silvia Bächli

Bildbetrachtung von Sabine Altorfer – diese Woche: Radikale Reduktion aufs Nötigste

Die Zeichnerin Silvia Bächli setzt keine Titel. Verlassene Landstrasse würde für dieses Landschäftchen von 1997 wohl passen.

Die Zeichnerin Silvia Bächli setzt keine Titel. Verlassene Landstrasse würde für dieses Landschäftchen von 1997 wohl passen.

Damit wir in einem Bild Motive erkennen, braucht es nicht viel. Das führt uns die Badener Künstlerin Silvia Bächli eindrücklich vor.

Wie viele Striche braucht es, bis etwas erkennbar wird? Dieses Blatt zeigt eine Meisterin der Reduktion: Silvia Bächli. Zwei schwungvolle Linie mit dem Kohlestift und ein paar Strichli sagen: Das ist eine Strasse mit Mittellinie die nach rechts in die Ferne führt. Diese Leseart verstärken die drei Telefonstangen (oder Lampen?) aus Doppelstrichen. Ihre kräftig gesetzten Abschlüsse sind so irritierend hart an die obere Kante gerückt, dass das Blatt wie abgeschnitten wirkt.

Das kleine Format (15 mal 22,5 cm) scheint sowieso nur einen Ausschnitt zu fassen. Auch im Vordergrund. Hier reichen einige dickere Striche, um den Eindruck eines Tännchens mit den typischen, nach aufwärts gebogenen Ästen zu vermitteln. Und die nervöse Doppelkurve daneben lesen wir in diesem Kontext als Hecke.

Silvia Bächli, 64, in Baden geboren, in Basel wohnhaft, hat über Jahrzehnte gezeichnet, stets karger, fragmentarischer und heute gar in abstrakten Raumrastern. Sie gehörte zu den ersten, die in den 1980er-Jahren das Einzelblatt nicht mehr im Rahmen präsentierte, sondern in losen Gruppen direkt an der Wand. Frei sollen der Blick und die Assoziationen schweifen.

Hier erhalten Sie einen kleinen Einblick in das Studio von Silvia Bächli. 

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