Krimi
Autor und Held sind ein Herz und eine Seele

Der schottische Star-Autor Martin Walker stellte im Aargauer Literaturhaus Lenzburg seinen neuesten Krimi «Femme fatale» vor. Dabei handelt es sich um den fünften Fall des Komissars Bruno, der auf eine Leiche mit satanistischer Vergangenheit trifft.

Anna Ospelt
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Martin Walker Bastian Schweitzer

Martin Walker Bastian Schweitzer

Bastian Schweitzer

«Thank you so much for writing so much!» Mit diesen Worten spricht die Moderatorin Monika Schärer dem Publikum im Aargauer Literaturhaus in Lenzburg aus der Seele. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher hängen dem Schriftsteller an den Lippen und ihr Lachen verrät, dass sie schon zahlreiche Abende mit einem Krimi von Walker verbracht haben. Nach Bestsellern wie «Schwarze Diamanten» und «Grand Cru» ist «Femme fatale» der fünfte Fall von Bruno, Chef de police von Saint-Denis.

Bruno lauscht dem Kirchenchor und macht gerade der aparten Florence schöne Augen, als sein Handy vibriert. Ein pubertierender Jugendlicher meine, eine wunderschöne, nackte Frau auf einem alten Kahn den Fluss hinabgleiten zu sehen, informiert ihn eine Dorfbewohnerin. Widerwillig macht sich Bruno auf den Weg. Doch wie sich herausstellt, war der Junge nicht Opfer seiner überschäumenden Fantasie – die Frau auf dem Kahn ist nicht nur verführerisch schön, sondern auch tot. Als die Leiche nach einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd der Vézère entlang endlich geborgen wird, weist zuerst alles auf Selbstmord hin. Doch bald gelangen immer mehr Hinweise auf Satanismus, unsaubere Geldflüsse und krumme Tourismusgeschäfte an die Oberfläche. Zu allem Überfluss stören neben einem unerhört gut aussehenden Paar aus Paris auch höchst verwirrende Frühlingsgefühle Brunos Nachforschungen ...

Im schönen Ambiente des Müllerhauses spricht die SRF-Moderatorin Monika Schärer mit Martin Walker (der übrigens fliessend Deutsch spricht) über seinen liebenswerten Helden Bruno, dessen schwieriges Verhältnis zu Frauen und Walkers Liebe zu Frankreich. Der Schauspieler Thomas Sarbacher liest aus der deutschen Übersetzung. Aber die Highlights des Abends sind eindeutig die drei Kapitel, die der Autor selbst vorliest. Er sprüht vor Leidenschaft für seinen Kommissar, für das Essen im Périgord und morbide Verbrechen. Walker liest ausgesprochen gut, gestikuliert und fällt bei besonders spannenden Szenen fast vom Stuhl. Man hat das Gefühl, dass er sich seine Geschichten mit dem gleichen Enthusiasmus ausdenkt, wie er sie vorliest.

Neben den kriminalistischen Elementen fliessen auch romantische, kulinarische und historische Episoden in die Geschichten ein. «Meine Romane sind immer auch ein bisschen Doku», sagt Walker lächelnd, «ich bin ein Botschafter des Périgord.» Der 65-jährige Schotte hat diese malerische Region in Frankreich für seine Mordfälle gewählt. Hier lebt er selbst seit Jahren und geniesst das Dorfleben sehr. Seit kurzem werden seine Bücher auch ins Französische übersetzt, was ihm erst schlaflose Nächte bereitet hat. Aber zu Unrecht: Innerhalb kürzester Zeit sind 400 Exemplare über die Theke der winzigen Dorfbuchhandlung gewandert, wie Walker stolz erzählt.

Martin Walker Femme fatale. Diogenes. 427 S., Fr. 32.90.

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