Kunstmarkt
450 Millionen für einen Da Vinci: Auf Schweizer Auktionen gibt es tolle Werke für wenig Geld

Ein Gemälde von Da Vinci wechselt für 450 Millionen Dollar den Besitzer. Es geht auch günstiger: Wer Kunst nicht nach Namen kauft, findet auf Auktionen superbe Stücke für wenig Geld.

Sabine Altorfer
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Sicherheitsleute bewachen Leonardo da Vincis «Salvator Mundi» bei Christie’s.

Sicherheitsleute bewachen Leonardo da Vincis «Salvator Mundi» bei Christie’s.

Keystone/ANDY RAIN/EPA

Leonardo da Vincis «Welten-Erlöser» macht an der New Yorker Auktion also 450 Millionen Dollar. Der Rekord aller Rekorde ist die fetteste, aber nicht überraschendste Schlagzeile des Jahres. Die Erklärung des Fabelpreises ist einfach: da Vinci ist einer der bekanntesten Namen der Kunstgeschichte – und er war ein fauler Maler. Nur ungefähr 20 echte Gemälde des Renaissance-Künstlers gibt es noch, der «Salvator Mundi» soll das letzte in Privatbesitz sein, das allerletzte also, das überhaupt auf den Markt kommen konnte.

Über echt oder nicht, über die Richtigkeit des Preises (es könnte ja auch eine Milliarde sein), über die luschen Zwischenbesitzer oder den (noch) unbekannten, telefonisch Kaufenden wollen wir hier nicht grübeln. Wir nehmen die Schlagzeile zur Kenntnis und weisen darauf hin: Der Kunstmarkt besteht nicht nur aus Millionen-Verkäufen. Eigentlich sind Auktionen (wie auch Messen und Galerien) für alle Kunstbegeisterten gedacht, selbst für jene mit schmalem Portemonnaie. Den Beweis dafür erbringen die aktuellen Schweizer Auktionen.

Hanny Fries (1918–2009): «Lecheria», 1969, 100×100 cm, 1500–2500 Franken.
4 Bilder
Hugo Suter (1943–2013): Ohne Titel, 1986. Schätzpreis für die neunteilige, typische Arbeit mit Seemuster auf Sperrholz (je 15,5x64 cm): 2500–3500 Franken.
Maria C. Friedrich (1894–1969): «Komposition», 1933, 2000–4000 Franken.
Wilfried Moser (1914–1997): Öl a. Lw., 1989, 65x81 cm, 5000–7000 Franken.

Hanny Fries (1918–2009): «Lecheria», 1969, 100×100 cm, 1500–2500 Franken.

Germann

Bescheidene Schweizer

Schlagen Sie mir jetzt bitte nicht die Schweizer Auktionsschlagzeilen der letzten Jahre um die Ohren. 80 Millionen Dollar für Alberto Giacomettis «Gehender Mann», eine, zwei oder acht Millionen für Ferdinand Hodler, Albert Anker, Félix Vallotton, Augusto Giacometti, Giovanni Segantini, Paul Klee ... Und weiter? Cuno Amiet werden Sie noch nennen, auch Giovanni Giacometti oder Paul Camenisch. Aber dann ist Schluss mit den Schlagerpreisen. Schauen Sie sich die aktuellen Auktions-Kataloge an. Nach den Top Ten folgt ein bewährtes Mittelfeld mit Preisen in den Zehntausend und Namen wie Max Bill, Richard Paul Lohse, Alice Bailly, Adolf Wölfli, vielleicht Fischli-Weiss.

Die nächsten Auktionen in der Schweiz

- Germann, Zürich: Schweizer und internationale Kunst, Fotografie: 20. und 21. November.

- Auktionshaus Zofingen: Kunst, Möbel, Schmuck, Antiquitäten: 30. November, 1. und 2. Dezember.

- Stuker Bern: Kunst, Antiquitäten, Möbel: 30. November bis 5. Dezember.

- Sotheby’s Zürich: Schweizer Kunst, 5. Dezember.

- Koller Zürich und Genf: Diverse Auktionen. Schweizer Kunst: 8. Dezember (Zürich).

- Schuler, Zürich: Kunst, Möbel, Schmuck: 12. Dezember.

Aber es gab so viele gute Künstler in der Schweiz, manche einst gefeiert, die heute – wenige Jahre nach ihrem Tod – billiger zu haben sind als je. Mario Comensoli mit seinen Arbeiter- und Punk-Bildern. Wilfried Moser der malerischste unter den freien Abstrakten. Hanny Fries mit ihren so delikaten wie abgründigen Interieurs. Hugo Suter der Materialtüftler vom Hallwilersee. Maria Clara Friedrich die souveräne Konkrete. Martin Disler der hochgelobte Neue Wilde. Ihre Werke bietet das Auktionshaus Germann in Zürich aktuell an, mit Schätzpreisen zwischen 1500 und 7000 Franken.

Herdentrieb

Wie kommt es zu diesen Preisen, die (weit) unter dem liegen, was man vor einigen Jahren in den Galerien bezahlt hat? «Der Schweizer Markt ist enorm klein», erklärt Auktionator Walter Germann. «Für die einzelnen Künstler gibt es nur wenige Sammler.» Warum aber kosten Anker, Hodler, Vallotton ein Mehrfaches? «Wir Menschen laufen einander nach. Wenn man hört, dass ein Mann wie Christoph Blocher Anker und Hodler kauft, will man das auch – oder glaubt, das werde sicher Rendite abwerfen.» Rentiert das wirklich? Germann lächelt und sagt: «Sicherheit gibt es im Kunstmarkt nicht.» Bei Anker fehlten zwei bedeutende Sammler (Stefanini kauft nicht mehr aktiv, Coninx ist tot), «was passiert, wenn Blocher nicht mehr kauft?»

Aber warum kosten Hugo Suter, Comensoli, ja selbst H. R. Giger heute weniger als zu Lebzeiten? Warum die noch aktiven Jürg Stäuble und Miriam Cahn weniger als in den Galerien? «Schreiben Sie das nicht zu gross», sagt Germann, «wir wollen den Galerien das Leben nicht noch schwerer machen.» Es gäbe eben zwei Arten, Preise zu setzen. «Zu Lebzeiten bestimmen die Künstler mit ihren Galerien die Preise. In der Auktion aber schauen wir, welche Preise der Markt akzeptierte.» Die Schätzpreise sind zudem Mindestpreise. «Wir und die Einlieferer hoffen natürlich immer, dass es mehr als einen Bieter gibt, dann können wir manchmal ein Mehrfaches erreichen», erklärt Germann. Sonst aber kann man sich über ein gutes Werk zum Schnäppchenpreis freuen.

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