Persönlich
Wer nicht darf, darf nicht

Verbotstafeln sind ohne Zweifel wichtig. Vorausgesetzt sie haben eine erkennbare Aussage. Dies ist durchaus nicht immer der Fall.

Stefan Strittmatter
Stefan Strittmatter
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Ein viel gesehenes Schild, das absolut nichts aussagt.

Ein viel gesehenes Schild, das absolut nichts aussagt.

Symbolbild: Pixabay

Verbotstafeln sind in aller Regel kein Quell der Erheiterung. Die Mahnfinger gewordenen Schilder sind unbestechliche Hüter des Rechts – und in vielen Fällen fliegt ihnen noch weniger Liebe zu als ihren Kolleginnen und Kollegen aus Fleisch und Blut.

Ein besonderes Verbotsschild treibt mich mit grosser Zuverlässigkeit auf die Palme. Man begegnet ihm an Kellertüren, an Hinterhoftoren, an Gattern von Industriegeländen und an Zäunen vor Gartenlauben:

«Zutritt für Unbefugte verboten.»

Dabei ärgert mich nicht, dass ich womöglich etwas nicht darf, von dem ich zuvor gar nicht gewusst habe, dass ich es allenfalls gewollt hätte. Mich nervt einzig die semantische Sinn­losigkeit der Ermahnung, die komplette Aussagelosigkeit des Verbots.

Denn wer sind die Unbefugten? Diese Gruppe unterscheidet sich von den Befugten in einem einzigen Aspekt: Dass ihnen die Befugnis zum Zutritt fehlt. Schlüsselt man die Verbotstafel entsprechend auf, dann besagt sie: «Zutritt für Menschen verboten, denen die Befugnis zum Zutritt fehlt.» Oder kurz: «Wer nicht darf, darf nicht.»

Warum nicht zum erprobten «Zutritt verboten» greifen? Dass diese verknappte Formulierung trotz ihrer Erbarmungslosigkeit Ausnahmen zulässt, das lässt sich daran erkennen, dass man andernfalls gar kein Tor eingebaut hätte. Diese Hintertüre muss man sich beim freien Auslegen von Verboten schon offenlassen.