Kunstausstellung
Rauschender Blätterwald in der Schnabelgasse

In der Galerie Kawaart in Basel ist noch bis Ende Oktober die begehbare Installation der Basler Künstlerin Ana Leonor Pita zu erleben. Eine Hommage an die Kraft und Mystik des Waldes.

Rahel Empl
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Die Installation «Wald» von Ana Leonor Pita in der Galerie Kawaart.

Die Installation «Wald» von Ana Leonor Pita in der Galerie Kawaart.

Kenneth Nars

Ein Waldboden, weich unter nackten Füssen, bunte Blätter am Wegesrand. Der Wind streicht sanft durch die Haare, rauscht durch das Laub, überall sehen wir kraftvolle, erdige und leuchtende Farben. Tatsächlich kein Spaziergang in der freien Natur, aber so gut wie. In der Galerie Kawaart an der Schnabelgasse 8 im Herzen der Basler Altstadt ist aktuell und noch bis Ende Oktober die Installation «Wald» der Basler Künstlerin Ana Leonor Pita zu erleben. Mit allen Sinnen – und quasi in 3D.

Die bunten Blätter auf dem Boden sind aus geschreddertem Papier – Stunden hat Pita dafür investiert –, der Weg aus zusammengenähtem Krepppapier, das Laub, das im Wind tanzt, sind Mobiles aus Papier und Naturmaterialien. Und der Wind kommt aus einem Dyson-Ventilator, der eigentlich nur läuft, weil es draussen so heiss ist, aber der Effekt funktioniert, die Mystik ist spürbar. «Ich wollte etwas schaffen, das dieselben Gefühle wie bei einem Waldspaziergang auslöst. Man spürt, da ist etwas da, nichts Fassbares. Energien und Kräfte», sagt Pita.

Die Malereien auf langen Papierbahnen, die es auf dem Weg durch Pitas Wald zu entdecken gibt, muten fast schon archaisch an. Es sind Experimente, die die Kunst mit der Natur verbinden, denn die Künstlerin mischt Acrylfarbe gerne mit Asche, Erde und Sand. Das Material beziehe sie von ihrem Mann, der glücklicherweise Geologe sei, erzählt die charismatische Pita bei einem Espresso in der Galerie. Das eine – Kaffee – schliesst das andere – Kunst – bei «Kawaart» nicht aus, sondern ist laut Inhaberin Stephanie Ribaud Konzept:

«Bei vielen Menschen ist eine unsichtbare Hemmschwelle spürbar, wenn sie vor einer Galerie stehen. Mit dem gemütlichen Café möchte ich diese Barriere durchbrechen. Bei mir soll man sich wohlfühlen.»

So sei Kunst in einem ungezwungenen Rahmen erfahrbar, und umgekehrt biete das Café für Käufer von Kunst die Gelegenheit, innezuhalten.

Stephanie Ribaud.

Stephanie Ribaud.

Kenneth Nars

Kunsthistorikerin Ribaud eröffnete die Galerie Kawaart im Juli 2020. Mit «Wald» findet nun die erste Ausstellung in den Räumen an der Schnabelgasse statt. Permanent sind in erster Linie Kunstwerke aus Afrika zu sehen, etwa vom Künstler Kophisart aus der Elfenbeinküste oder Fabrice Girimbabazi aus Ruanda. «Dadurch, dass in Pitas Werk immer etwas Mystisches mitschwingt und sie vorwiegend mit erdigen Farbtönen arbeitet, ist der Bogen zur Galerie für afrikanische Kunst gespannt», so Ribaud.

Partnerschaft mit einem Sammler

Ihre Freude und Faszination an afrikanischer Kunst entdeckte sie bei ihrer vormaligen Arbeit im Museum Rietberg in Zürich, das sich der Kunst der traditionellen, aber auch der zeitgenössischen Kulturen Asiens, Afrikas, Amerikas und Ozeaniens widmet. «Dieses Kraftvolle, auch Düstere und eben Mystische zieht mich fast magisch an.» Und da es in der Schweiz kaum Gelegenheit gäbe, afrikanische Kunst zu kaufen, habe sie sich zu dem Schritt entschieden, ihre Galerie zu eröffnen und sowohl historische als auch zeitgenössische Kunst anzubieten.

Mit dem Sammler Mathieu Barth aus Strassburg hat sich Ribaud einen leidenschaftlichen Partner für diese Kunst mit an Bord geholt. Denn sie selbst war noch nie in Afrika, er ist es, der immer wieder Reisen unternimmt und dann mit Schätzen zurückkommt. Nicht nur mit Gemälden, sondern – typisch für Afrika – auch mit Holzskulpturen in allen Grössen.

Nebst Kunst gibt es in der Galerie Kawaart – «kawa» ist arabisch und bedeutet Kaffee, «art» ist das englische oder französische Wort für Kunst – Möbelstücke und Dekorationselemente im Ethno-Stil aus Indien zu kaufen. «Eigentlich alles, was nicht niet- und nagelfest ist», sagt Ribaud, lacht und schenkt sich selber einen Kaffee ein.

«Wald» von Ana Leonor Pita, Galerie Kawaart, noch bis 30. Oktober 2021. Vom 19. bis 31. Juli wegen Sommerferien geschlossen. www.kawaart.ch

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