Das Wort zum Tag
2. Oktober: Von Schutzengeln, Turbulenzen und Autos mit Namen

Kuriose Feiertage gibt es zuhauf. So auch am 2. Oktober, der einlädt zum Reisen – mit Auto, Flugzeug oder Tram.

Mélanie Honegger
Mélanie Honegger
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Julius und Coco, so heissen sie, die Autos meiner Freundin und ihres Mannes. Wobei: Ob Julius nicht durch einen Neuen ersetzt wurde, da bin ich mir gerade nicht mehr sicher – meine Freundin möge es mir verzeihen. Heute haben die beiden Grund zum Feiern. In den USA findet am 2. Oktober der nationale Name-Your-Car-Day statt.

Als ÖV-Nutzerin ein Mysterium für mich. Aber gut, man könnte das Ganze ja ausweiten und den Lieblingstrams einen Namen geben: Jakob oder schlicht Brudi für den 16er, der 36er-Bus hiesse Margarethe und das 6er-Tram als Hommage an die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole.

Das klingt doof und bringt mich zur Frage: Warum kommt jemand auf die Idee, seinem Fahrzeug einen Namen zu geben? Wahrscheinlich geht es um die Verbundenheit zum Objekt, die so zum Ausdruck kommen und Sicherheit vermitteln soll. So à la: Wenn ich mit Nicole unterwegs bin, dann kann mir nichts passieren.

Etwa gleich wirksam dürfte der Glaube an einen Schutzengel sein. Wobei ich zugeben muss, dass ich bei Turbulenzen im Flugzeug auch schon kurz davor war, mich der Religion zu verschreiben. Und vielleicht war das gar nicht so abwegig, denn Flugzeuge werden häufig schon vor der Inbetriebnahme offiziell getauft. Da können nicht einfach irgendwelche Passagiere kommen und die Boeing 777 nach ihrem Gusto umbenennen, um sich wohlzufühlen.

Wie praktisch, dass die römisch-­katholische Kirche Abhilfe schafft und uns am 2. Oktober, dem Tag des Schutzengels, an andere alternative Vorsorge­optionen erinnert. Diese Schutzmassnahmen dürften insbesondere meine Generation interessieren. Weltreisen sind in diesem Alter ja besonders in: Nach der Matura oder in den Dreissigern als Auszeit, bevor die Kinder kommen – einmal so richtig um die Welt jetten, das gehört für viele zu den Dingen, die man einmal erlebt haben muss.

Neu ist diese Idee indes nicht: Einmal um die Welt reisen, und zwar in nur 80 Tagen, das wollte auch schon Phileas Fogg, der in Jules Vernes Roman «Die Reise um die Erde in achtzig Tagen» eine entsprechende Wette einging. Gestartet hat er seine Reise schliesslich am 2. Oktober 1872 mit einer Zugfahrt von London nach Paris. Und genau deswegen feiern wir diesen Samstag auch den Tag der Phileas-Fogg-Wette.

Der Erzählung nach kam Fogg sicher in Paris an. Uff! Leider nicht überliefert ist, ob er seinem Zug zuvor einen Namen gegeben hatte oder ob er sich doch lieber auf seinen Schutzengel verliess.

In der Reihe «Das Wort zum Tag» knöpft sich die Kultur-­Redaktion in loser Folge spezielle Kalendertage vor.