Bea Afflerbach
Die erste diplomierte Grafikerin der Schweiz kam aus Basel

Zum hundertsten Geburtstag der Basler Künstlerin und Frauenrechtlerin Bea Afflerbach sind ihre Werke im «Schmale Wurf» zu sehen.

Judith Schifferle
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Bea Afflerbach in ihrem Atelier, undatierte Aufnahme.

Bea Afflerbach in ihrem Atelier, undatierte Aufnahme.

zvg

Mit einer pandemiebedingten Verzögerung wird die Künstlerin Bea Afflerbach-Hefti (1920–2003) zwei Jahre nach ihrem 100. Geburtstag mit einer kleinen Werkschau gefeiert. Die Bescheidenheit der Verkaufsausstellung im Restaurant Zum Schmale Wurf passt zur Biografie der 1920 geborenen Künstlerin, die 1941 als schweizweit erste Frau das «Grafikerdiplom» an der Gewerbeschule Basel erhielt. Ihr grafisches Werk steht jenem ihres besser bekannten Ehemannes Ferdinand Afflerbach (1922–2005) in keiner Weise nach, blieb hinter dessen Namen aber oft verborgen.

In der Wohnung von Sohn Ueli Afflerbach stapeln sich dieser Tage – bald zwanzig Jahre nach dem Tod der Mutter – Aquarelle in allen Formaten, Werbe- und Druckgrafiken auf Papier oder aufgezogen auf Holz, Modezeichnungen, Kinderbuchillustrationen, bemalte Möbelstücke und Objets trouvés, die der unermüdlichen Schafferin nach vielen Reisen als Quell der Inspiration dienten. Eine Auswahl für die Ausstellung fällt daher nicht leicht und muss vor Ort noch angepasst werden, so Afflerbach.

Beatrice Hefti landete 1937 dank ihrer Leidenschaft fürs Zeichnen und der Unterstützung ihres Vaters nicht in der Töchterschule, sondern im Vorkurs der Grafikklasse unter Theo Eble. Einflussreiche Persönlichkeiten der Basler Grafik- und Kunstschule zählten zu ihren Lehrpersonen: Walter Bodmer, Arnold Fiechter, Albrecht Mayer und Julia Ries. Mit einem für die damalige Zeit unüblichen Selbstverständnis setzte sich die junge Frau bis zum ersten Diplomabschluss der damals neu strukturierten Grafikklasse durch und bildete sich in der Kunstklasse fort.

Plakat von Bea Afflerbach zur Volksabstimmung 1954 über die Einführung des Frauenstimmrechts auf kantonaler Ebene.

Plakat von Bea Afflerbach zur Volksabstimmung 1954 über die Einführung des Frauenstimmrechts auf kantonaler Ebene.

Plakatsammlung der Sfg Basel

«Natürlich hatte ich Schwierigkeiten! Primär traute man einer Frau keine qualitativ wertvolle Arbeit zu. Ich habe immer wieder den Elan aus mir selbst herausholen müssen, aber ich habe nie an einen schlagenden Erfolg geglaubt», liess die Künstlerin einst in einem Artikel der «National-Zeitung» mit dem Titel «Im Grünen steht ein Taubenhaus. Zu Besuch bei Bea Afflerbach» gegenüber der Verfasserin Maria Aebersold verlauten.

Ein Jahr nach dem Abschluss gründete Bea 1942 mit ihrem späteren Mann Ferdinand («Ferdi») Afflerbach und der Grafikerin Sita Jucker ihr erstes gemeinsames Atelier für Werbegrafik, Information, Ausstellungsgestaltung, Plakatgrafik und Signaletik. Zu Beas wichtigsten Erfolgen gehörten 1954 die Frauenstimmrechtsplakate «My Mammi goht go stimme» und «My Babbe stimmt jo» sowie 1970 das Plakat für die Schweizer Mustermesse Basel.

Linien mit Volumen

Auf Aebersolds Frage, wie es dazu gekommen sei, antwortete Afflerbach im obgenannten Artikel: «Ich habe geschafft, hatte Angst vor jedem leeren Blatt, habe Entwurf nach Entwurf gemacht, durch Ferdi kritisieren lassen, weiter gearbeitet, bestimmt ohne feste Hoffnung, aber trotzdem.» Trotzdem meint hier auch: trotz zwei kleiner Kinder, trotz ihres Engagements in der Frauenrechtsbewegung und trotz abenteuerlicher Reisen, die das Ehepaar regelmässig unternommen hat; eine davon führte 1951 mit der Lambretta nach Marokko.

«Fata Morgana» von Bea Afflerbach.

«Fata Morgana» von Bea Afflerbach.

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1958 beteiligte sich Bea Afflerbach an der schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) und wurde 1968 Mitglied der Gesellschaft Schweizer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen (GSMBK). Als die drei Kinder selbstständiger waren und Ferdi den Familienunterhalt als Werbegrafiker, Fasnachtskünstler und Illustrator decken konnte, widmete sie sich der Malerei, wobei sie vor allem die einfache Linie faszinierte.

«Wenn ich zeichne, möchte ich, abgesehen vom Ausdruck, den die Sache haben sollte – auch wenn es nur Linien sind, ohne Schattierungen –, dass es ein Körper mit Volumen wird, dass Luft drumrumgeht, ohne dass ich ‹schättele›», zitierte sie damals Maria Aebersold im erwähnten Artikel.

Bea Afflerbach hatte Erfolg, wenn auch ein stets nur bescheiden gewürdigter. Er zeigte sich in zahlreichen nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen, in regionalen Galerien sowie an grossflächigen Auftragsarbeiten, beispielsweise im Grossraumbüro der Hoffmann-La Roche.

Bea Afflerbach – Fata Morgana, Restaurant Zum Schmale Wurf, bis 27. Mai. Vernissage: Sa, 7. Mai, ab 15 Uhr. www.gastrosophen.ch