Art Basel
Ihr erstes Mal: Die Baselbieter Janik Bürgin und Oliver Jauslin stellen an der Kunstmesse aus

Für die beiden jungen Künstler aus dem Baselbiet geht ein Traum in Erfüllung: Die Galerie Carzaniga präsentiert ihre Werke an der Art Basel.

Hannes Nüsseler
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Janik Bürgin (links) und Oliver Jauslin mit je einem ihrer Werke im Ausstellungsraum an der Missionsstrasse 24.

Janik Bürgin (links) und Oliver Jauslin mit je einem ihrer Werke im Ausstellungsraum an der Missionsstrasse 24.

Kenneth Nars

Maskenhafter Expressionismus auf der einen Seite, farbenfrohe Abstraktion auf der anderen. Was die beiden so unterschiedlichen Künstler miteinander verbindet, ist nicht nur ihr zartes Alter (23 und 27 Jahre) oder derselbe Heimatkanton (Baselland); sondern vor allem ihr erster Auftritt an der Art Basel. «Vor ein paar Stunden wurde eines meiner Bilder verkauft», murmelt Oliver Jauslin glücklich. Und der 27-jährige Janik Bürgin strahlt: «Bis heute war das alles nicht wirklich fassbar. Aber vorhin, an der Messe, da überkam mich ein Gefühl von Stolz.»

Tatsächlich geht für die beiden Jungkünstler, die mit ihren Werken in der Galerie Carzaniga an der Art Basel vertreten sind, soeben ein Traum in Erfüllung. «Von der vagen Möglichkeit einer Teilnahme habe ich erstmals im Februar erfahren», erinnert sich Bürgin. «Aber der eigentliche Entscheid kam spät.» Zusammen mit Oliver Jauslin hat er die Zeit genutzt und parallel zur Kunstmesse in der Praxis eines kunstaffinen Arztes an der Missionsstrasse 24 eine Pop-up-Ausstellung organisiert, die heute ihre Vernissage feiert.

Gekreuzt haben sich die Wege der beiden Künstler vor einem Jahr, als Bürgin und Jauslin an einer Gruppenausstellung bei Carzaniga teilnahmen. «Es ist spannend, die verschiedenen Herangehensweisen zu vergleichen», erklärt Jauslin. «Und weil wir unterschiedlich arbeiten, besteht auch keine Konkurrenz», ergänzt Bürgin. «Uns verbindet eine Freundschaft, wir helfen uns gegenseitig.»

Experimente mit Farben und Perspektiven

Nach seiner Ausbildung zum Fotografen in Zürich sei er «in die Kunst hineingerutscht», erklärt Bürgin. «Ich habe immer mein eigenes Ding durchgezogen.» Schon jetzt zahle sich die Teilnahme an der Art aus, Bürgins Programm ist bis August 2022 mit Terminen voll. «Man wird plötzlich ganz anders wahrgenommen.» Aktuell bewirbt er sich bei einer Sicherheitsfirma, um nachts arbeiten und den Rest der Zeit seiner Kunst widmen zu können. «Davon leben lässt sich noch nicht.»

Jauslin hat nach dem Vorkurs an der Gewerbeschule eben erst den Bachelor in visueller Kommunikation abgeschlossen. «Jetzt möchte ich pausieren und mich voll auf die Malerei konzentrieren.» Wie Bürgin kann auch er sich mittelfristig ein Masterstudium vorstellen. «Ich arbeite als Freelance-Grafiker und im Videobereich», sagt er. «Gerade wenn man jung ist, braucht es eine gewisse finanzielle Sicherheit, damit man als Künstler wirklich machen kann, was einen interessiert.»

Für Jauslin sind das die Emotionen, die er im menschlichen Gesicht findet und auf die Leinwand bannt. «Mir war das Experimentieren mit Farbe wichtig, während meiner Ausbildung sass ich ja hauptsächlich vor dem Computer», sagt er. «Das Wilde, Freie finde ich spannend, gerade im Zusammenspiel mit dem Digitalen.» Auch für Bürgin muss Kunst Emotionen auslösen. «Ich möchte die Leute positiv berühren, damit sie die Geschichte dahinter entdecken können.» Das ermögliche eine neue Perspektive.

Die Art lässt sich nicht digital ersetzen

Tatsächlich handelt es sich bei Bürgins trügerisch bunten Aufnahmen um extreme Vergrösserungen von Plastikabfällen – «Kunst-Stoffe» eben. Wie passt dieses Bewusstsein in den Kontext einer internationalen Kunstmesse, die selbst auf Konsum ausgerichtet ist? «Das ist kompliziert», sagt Bürgin, und Jauslin übernimmt: «Mich stört, dass die grossen Galerien alle zugkräftigen Namen an sich binden, während für die lokalen Galerien fast nichts mehr bleibt.» Es gehe nur noch um den Handel, nicht mehr um die eigentliche Kunst.

Doch für Fundamentalkritik ist jetzt der falsche Zeitpunkt, Partys warten und damit Gelegenheiten zum Netzwerken. Werden sie nächstes Jahr wieder an der Art teilnehmen? «Hoffentlich – wenn sie dann noch da ist», lachen die beiden. Die Zukunft gehört ihnen.

Janik Bürgin / Oliver Jauslin: Pop-up-Ausstellung, Missionsstrasse 24,
bis 26. September. Vernissage: Do, 23. September,18 Uhr.
Art Basel: Galerie Carzaniga Basel, Halle 2.0, Stand D13.

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