Die Einführung hat sich – wie immer – gelohnt. Dieses Mal: Verena Naegele stellte interessante Betrachtungen darüber an, wie ein Interpret den emotionalen Widerspruch zwischen einer intimen, melancholischen Musik und einem rasanten Tempo zu lösen hat. Kian Soltani, dem Cellisten in Robert Schumanns Cellokonzert, ist das gelungen.

Zuerst gab es beim vierten Konzertzyklus des Argovia Philharmonic aber die Ouvertüre von Antonin Dvořák zu hören. Manchmal sind es die vermeintlich kleinen Dinge, die eine grosse Wirkung haben. Im besagten Stück gibt es eine Stelle, in welcher der Triangel ein lautes Tremolo schlägt, das im gleichen Augenblick, wenn die Streicher hereinbrechen, abrupt stoppt. Dadurch entsteht ein grandioser Effekt, der sich visuell vielleicht mit einem Feuerwerk vergleichen lässt.

Nur Ohren fürs Cello

Man fragt sich ja immer, was denn der Unterschied zwischen sehr gut und speziell sehr gut ist. Das zu beantworten, ist nicht einfach. Sagen aber lässt sich Folgendes: Kaum verstummen die einleitenden Takte des Orchesters und das Cello übernimmt die Melodie, hört man nichts anderes mehr. Es ist, als ob die restliche Musik irgendwohin verschwunden wäre. Nur wenn man sich darauf besinnt, dass da auch noch ein Orchester spielt, hört man sie plötzlich wieder. Das hat nicht etwa damit zu tun, dass Kian Soltani sich musikalisch vor- oder aufdrängen würde. Vielmehr gleicht sein Spiel einer angenehmen Stimme, der man einfach gerne zuhört und alles um sich herum vergisst. Sein Klang auf dem Instrument ist klar und trocken, fast erdig. Selbst bei schnellen Läufen bleiben die einzelnen Töne wohlgeformt, von Verwischen keine Spur.

Spiel mit der Energie

Nach der Pause stand César Francks d-Moll-Symphonie an. Unter der Leitung von Matthias Bamert atmete der Sound des Argovia Philharmonic die überlegene Ruhe der Selbstsicherheit. Erstaunlich, wie der Dirigent die Zeit zu dehnen oder zu stauchen vermochte, ohne freilich am Metrum selber etwas zu ändern. Gekonnt war auch das Spiel mit der Energie (für jüngere Leser: etwas Ähnliches wie die «Macht» bei Star Wars), welche über den Notentext hinausgeht und nur bei grossen Künstlern spürbar auftritt. In der Folge klang es so, als würde die Musik von alleine zu ihrer Erfüllung finden. Es sind diese Momente, von denen gesagt wird, dass jemand oder eine Gruppe über sich selbst hinauswächst.

Zum Schluss eine Randbemerkung. Beim Umstuhlen der Bühne im Vorfeld des Cellokonzerts, was unerwartet aufwendig war und vom Publikum in andächtiger Stille mitverfolgt wurde, geschah ein kleines Malheur: Das Dirigierpult stand zu guter Letzt verkehrt herum da. Schade eigentlich, dass der Bassist dies wieder in Ordnung brachte – gerne hätte man Matthias Bamert bei der Arbeit nicht nur über die Schulter geschaut, sondern frontal zugesehen, wie er die Magie der Musik heraufbeschwört.

4. Abo-Konzert «Leben – Liebe – Natur». Weitere Daten auf www.argoviaphil.ch. Achtung: Nicht alle Aufführungen sind mit Kian Soltani.