Kunst
Otto Lehmann ist gestorben: Als Mensch war er eher still – aber als Künstler kompromisslos

Otto Lehmann, der in Adligenswil lebte, ist mit 78 Jahren gestorben. Für sein Schaffen hat er viele Preise gewonnen.

Niklaus Oberholzer
Drucken
Teilen
Der Luzerner Künstler Otto Lehmann (1943-2021) an einer Ausstellung im letzten Mai in Solothurn.

Der Luzerner Künstler Otto Lehmann (1943-2021) an einer Ausstellung im letzten Mai in Solothurn.

Bild: Hanspeter Bärtschi

Otto Lehmann gehörte zu den Stilleren der Luzerner Künstler. Er stammte aus Solothurn, war seit dem frühen 1960er Jahren in Luzern tätig, vorerst vor allem in seinem erlernten Beruf als Grafiker, ab den frühen 1980er Jahren ausschliesslich als freier Künstler. Er machte nie viel Aufhebens um seine Person. Und wenn man ihm begegnete, ergaben sich wohl ruhige Gespräche, doch er stellte dabei nie sich selber ins Zentrum.

In seiner Arbeit jedoch war er anders – zielgerichtet, kompromisslos, streng gegenüber sich selber, konzentriert auf eine eigenständige und unverkennbare Formensprache. Er beschränkte sich weitgehend auf das Medium der Zeichnungen und vorerst auf die menschliche Figur, die er mit breitem schwarzem Stift in oft existenziellen Extremsituationen auf Papier festhielt. Er zeigte sie als käferartige hockende und sich duckende Wesen, als spindelförmige Verpuppungen, als starr blickende Masken.

Melancholische Grundstimmung

Bald erweiterte Lehmann das Spektrum seiner Motive, wandte sich Behausungen, Landschaften, komplex strukturierten Räumen, einer Art Stadtlandschaften und schliesslich textil anmutenden Gitterkompositionen zu. Auch da blieb er weitgehend der dunklen, ins Melancholische tendierenden Grundstimmung treu.

Im November 2019 überraschte Lehmann im Kunstmuseum Solothurn mit einer Schau meist grosser und oft intensiv farbiger Zeichnungen, die er installativ sich über mehrere Museumsräume hinziehen liess. «Noli me tangere» («Rühr mich nicht an») setzte er als mehrdeutigen Titel, der einerseits warnte vor der Bannkraft der in expressivem Duktus aufs Papier gebrachten Formen und andererseits eine berührende Sensibilität und Verletzlichkeit des Künstlers anzeigte. Möglich, dass Lehmann mit diesen Werken auf seine Krankheit (eine seltenen Form der Leukämie) reagierte, an der er litt. Die Zeichnungen erinnern an Florales, an Biologisches, an wachsende und wuchernde Mikroorganismen. Neben heftigem Zugriff zeugen sie auch von einer Zärtlichkeit, die sich in der bunten Farbigkeit der Blätter manifestiert.

Anerkennungspreis der Stadt Luzern

Otto Lehmann, der in Adligenswil lebte und zeitweise an der Gewerbeschule Luzern unterrichtete, erhielt diverse Auszeichnungen für sein Schaffen – so ein Bundesstipendium, den Anerkennungspreis der Stadt Luzern und einen Preis für Malerei des Kantons Solothurn. Ausstellungen hatte er in Luzerner Galerien, mehrfach im Kunstmuseum Solothurn und im Kunstmuseum des Kantons Thurgau. 2014 schuf er in der Justizvollzugsanstalt Solothurn in Deitingen eine grosse Kunst-am-Bau-Arbeit, die das Motiv des roten Ariadne-Fadens aufnimmt und aus mehreren grossen Wandzeichnungen besteht. Lehmann erhielt den Auftrag aufgrund eines Wettbewerbs.

Seinem Wesen entsprechend, war Otto Lehmann als Künstler eher ein Geheimtipp, der mit seinem Schaffen einen kleinen, aber treuen Sammlerkreis ansprach. Sein Werk bleibt etwa in den Sammlungen der Kunstmuseen in Solothurn, Olten und Luzern erhalten.

Aktuelle Nachrichten