Kunstmuseum Solothurn

Albert Trachsel: Die Retrospektive eines fast Vergessenen

«Die Welle» von 1902, ein Hauptwerk des Schweizer Symbolisten Albert Trachsel.

«Die Welle» von 1902, ein Hauptwerk des Schweizer Symbolisten Albert Trachsel.

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt das Werk des Genfer Symbolisten Albert Trachsel (1863-1929).

Viele Jahre war es fast vergessen, das Werk des gebürtigen Genfer Symbolisten Albert Trachsel (1863-1929). Doch in letzter Zeit ist es international wiederentdeckt worden. Eine Einzelausstellung des Künstlers in der Schweiz hat es jedoch schon lange nicht mehr ge- geben.

Diesen Umstand will Christoph Vögele, der Direktor des Kunstmuseums Solothurn, ändern. Das Haus zeigt dank eigener wichtiger Trachsel-Werke, die dank der Sammler Miller und Müller ins Haus gelangt sind, Werke aus 35 Schaffensjahren des Künstlers. Ergänzt wird die Ausstellung mit Werken, geliehen dem Kunsthaus Aarau oder aus dem Musée d’art et d’histoire in Genf.

Zuerst Architekt, dann Symbolist

Albert Trachsel, aus einfachen Genfer Verhältnissen stammend, absolvierte zunächst ein Architekturstudium. Schon früh zog es ihn nach Paris, wo er dank Kursen an der Ecole des Beaux-Arts Ende der 1880er-Jahre rasch in Kontakt mit den französischen Symbolisten kam. Er schloss Freundschaften mit Gauguin, Rodin, Mallarmé oder Verlaine. Auch kannte er Ferdinand Hodler gut, der ihn Zeit seines Lebens unterstützte.

1901 kehrte Trachsel nach Genf zurück und gab die Architektur auf. Er widmete sich intensiv der Schaffung seines ganz eigenen Universums, und dies nicht nur mittels autodidaktisch betriebener Ölmalerei und durch eine Unmenge von Schriften, die er der Nachwelt hinterliess.

Die Ausstellung mit rund 100 Werken Trachsels, die im ersten Stock des Kunstmuseum Solothurn gehängt sind, beginnt mit ganz realen Architekturzeichnungen. Der Künstler hat sie wohl auf Wunsch von Bauherren angefertigt.

Diesen Zeichnungen gegenüber gehängt sind eine Reihe von Blättern mit Architekturfantasien, mit «Fêtes réelles» übertitelt. Sie zeigen fantastische tempelartige Bauten. Es sind frühere Aquarelle zu sehen, die viele von Trachsels bekanntesten Motiven schon vorwegnehmen. Zum Beispiel das Berg-Motiv, welchem sich Trachsel in seinem Spätwerk intensiver widmete, ist schon da.

Das Licht, die Sonne als spirituelle Quelle

Von ganz unterschiedlicher Qualität ist Trachsels Ölmalerei, was sicher seinem autodidaktischen Schaffensweg geschuldet ist. Und doch sind es die grossen Ölgemälde, die zu Trachsels Hauptwerken zählen. Es sind dies «Der Blitz», «die Welle» und «das kosmische Ereignis» – alle in den frühen 1900er-Jahren entstanden.

Sie stehen für die zum Teil merkwürdigen Verbindungen von Realität und Fantasie, von Symbolen und Muster, die Trachsel beschäftigten. Die Sonne, das Licht ist das wichtigste Element, Trachsels spirituelle Quelle. Aus heutiger Sicht erinnern seine radikalen Farbkompositionen an die Pop-Art oder an die Malerei der Achtzigerjahre.

Trachsel lebte stets in Existenznöten. Als es 1929 dann endlich so weit war, dass er bei einer grösseren Ausstellung in Interlaken seine Arbeiten zeigen konnte, starb er während der Reise dorthin auf dem Bahnhof.

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