Aargauer Jahresausstellung
Aargauer Künstlerin: Spinnen bringen Lea Schaffner Glück

Porträt-Serie zur Auswahl 20 im Aargauer Kunsthaus. Heute Lea Schaffner, ausgezeichnet mit dem CS Förderpreis. Sie ist eine der jüngsten, nur sieben der fünfzig sind unter dreissig.

Sabine Altorfer
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«Blooming Bloody Spider» von Lea Schaffner an der Auswahl 20. Eine Arbeit mit Video, Audio, Lichtröhren.

«Blooming Bloody Spider» von Lea Schaffner an der Auswahl 20. Eine Arbeit mit Video, Audio, Lichtröhren.

René Rötheli/AG Kunsthaus

Ist es nun ein schlechter oder der beste Platz, den die Licht-Video-Arbeit von Lea Schaffner in der Jahresausstellung der Aargauer Künstlerinnen und Künstler bekommen hat? Die acht violetten Lichtröhren und der Videoschirm liegen nämlich unter der Treppe.

Das scheint etwas lieblos abseitig – andrerseits aber kann sich niemand dem Sog des Kinderliedes von der tapferen Spinne, der «Itsy Bitsy Spider», entziehen. Sie mag noch so tief fallen, noch so nass werden, immer wieder rappelt sie sich auf, spinnt sich wieder nach oben. Tatkräftig helfen die Hände auf dem Videoscreen mit, die ohne Unterlass ein unsichtbares Netz zu knüpfen scheinen.

Der Preis sichert das nächste Projekt

Licht, Ton und Botschaft sind zu einer starken, poetischen Einheit verknüpft. So stark, dass Lea Schaffner für «Blooming Bloody Spider» den Förderpreis der Credit Suisse erhalten hat (die den NAB-Förderpreis nahtlos weiterspinnt). «Für mich ist es ein doppelter Glücksfall», sagt Lea Schaffner am Telefon. «Erstens ist es eine Bestätigung, dass sich die Menschen von der Arbeit angesprochen fühlen.» Und zweitens könne sie die 10000 Franken Preissumme gut brauchen: «Viele Künstlerinnen und Künstler verdienen im Moment nichts. Nun ist meine Investition finanziert und ich habe Ressourcen für weitere Projekte.»

Ihren Lebensunterhalt verdient die 31-Jährige als Kuratorin, Projektleiterin und Lehrerin für digitale Kunstprojekte im Dunant-Museum in Heiden und an der Hochschule Luzern, früher im Forum Schlossplatz Aarau. Aufgewachsen ist sie in Hausen, in Windisch und Wettingen ging sie zur Schule, in Aarau und Zürich folgte die Kunstausbildung, bis zum Master.

Die Spinne ist für Lea Schaffner also ein Glücksbringer. Sie lacht, und sagt: «Nicht nur! Sie ist ein wichtiges Tier in meiner Arbeit, weil sie ein feministisches Symbol ist, ein Sinnbild für Weben, Nähen und Spinnen, für die unsichtbaren Fäden zwischen den Frauengenerationen.» Da denkt die Kunstkritikerin natürlich an Louise Bourgeois und ihre berühmten Spinnen-Skulpturen. Wieder lacht Lea Schaffner. Bourgeois stimme schon, aber sie erweise damit auch ihrer Mutter und Grossmutter ihre Reverenz. Ihre letzte Multimedia-Installation hiess «Grossmutter Spinne Teil 1».

Aus der grauen Theorie wird farbige Kunst

Gelb dominierte damals, jetzt ist es violett. Warum diese Farben? Violett, also eigentlich UV-Licht, könnten Spinnen überhaupt wahrnehmen und es ziehe sie an. «Und zudem ist Violett seit dem Frauenstreik 2019 sehr präsent und wird als Signal verstanden.» Das Gelb dagegen gehöre zu einer privaten Geschichte: «Meine Grossmutter hat meiner Mutter zur Konfirmation eine gelbe Bluse genäht. Die hat sie sehr gemocht hat, obwohl – oder gerade weil – zu diesem Anlass sonst Schwarz und Weiss gehörten.»

Farbig, sinnlich erlebbar und eingängig wie Kinderlieder sind Lea Schaffners Werke. «Ich schreibe seitenlange Konzepte, recherchiere und verknüpfe», erklärt sie. «Aber ich will ja nicht die Theorie an die Wände hängen, sondern reduziere und konzentriere. Ich will erzählen und den Betrachterinnen Freiraum lassen für eigene Interpretationen.»

Die Jungen an der Auswahl

Lea Schaffner ist mit 31 eine der jüngsten in der Auswahl 20. Nur sieben der fünfzig sind unter 30 Jahre alt. Das sind ihre Werke:

Tobias Maurer (*1996), I Have Found My Dream Home, 2019. Video, Full HD, 16:9, Farbe/Ton, 4'49", 15-teilig, Digitaldruck, Hartschaum, weiss lackiert, Masse variabel
7 Bilder
Leonie Brandner (*1992). Feeding Cats and Gods with Athenian Oranges, 2020. Stickerei, 500 × 150 cm
Roberta Müller (*1990) Gastkünstlerin der Auswahl 21. Ketten, 2020. Ton, Masse variabel.
Dominic Neuwirth (*1991). Topologie einer Geometrie der Leere, 2020.Sumpfkalk, Kunstharz, Fichte, Stahl, Drillkegel, Bild: 200 × 150 cm, Stahlskulptur: 230 × 45 cm.
Elena Tamburini (*1992). «we all felt like shit», «all the shit in this world», «I’m an exit», (von links). Alle:2020, Öl auf Leinwand, 40 × 30 × 2 cm, bzw. 20 x 20 x 2 cm.
Wehrli, Jodok (*1994). A pretty shitty Poem, 2020. 5-Kanal Videoinstallation, Full HD, Loop, Farbe/Ton, 6'09", Masse variabel.
Andrea Vera Wenger (*1995). Sichtschutz, 2019. Glas, Spiegelfolie, Aluminium, 200 x 208 x 15 cm.

Tobias Maurer (*1996), I Have Found My Dream Home, 2019. Video, Full HD, 16:9, Farbe/Ton, 4'49", 15-teilig, Digitaldruck, Hartschaum, weiss lackiert, Masse variabel

René Rötheli/Aargauer Kunsthaus

Auswahl 20. Aargauer Kunsthaus, bis 24. Januar. Beachten Sie bitte die besonderen Öffnungszeiten (Sonntage und Feiertage geschlossen).