Im «Kiff»

Aaraus neuster Kunstraum heisst «Beletage»

Arbeiten von Lionel Keller und Cosimo Gritsch in der neu eröffneten Beletage im Aarauer Kiff.

Arbeiten von Lionel Keller und Cosimo Gritsch in der neu eröffneten Beletage im Aarauer Kiff.

Eigentlich hätte die Beletage im Atelierturm des Aarauer Kiff schon anfangs Jahr eröffnet werden sollen - doch dann kam Corona dazwischen. In der ersten Ausstelltung zu sehen sind Arbeiten von Cosimo Gritsch und Lionel Keller.

Steigt man über die zugige Aussentreppe in den ersten Stock des Kiff-Atelierturms, kommt man als Besucherin nicht darum herum, über den Namen des neuen Ausstellungsraumes zu schmunzeln. Seit der Vernissage von letztem Freitag befindet sich hier das Beletage, ein neuer Projektraum für Kunst. Gegründet haben ihn die Künstlerinnen und Künstler Sabine Trüb, Alexandra Siebert, Roberta Nembrini, Rolf Lenzin und Otto Grimm. Von gehobenem Wohnstil mit allen Annehmlichkeiten, wie man sich das von einer Beletage, wie die Repräsentationsräume des Bürgertums früher hiessen, gewohnt ist, kann hier kaum die Rede sein. Dafür – darauf ist das Team besonders stolz – gibt es hier aber genügend Freiraum für Experimente, in Aarau ein selten gewordenes Gut.

Der «Projektraum» soll Freiräume schaffen

Der ehemalige, nicht beheizbare Atelierraum, in dem eine charmante Fensterfront direkt unter der Decke neben dem Blick auf die Kunst auch eine Panoramasicht aufs Telli liefert, soll voraussichtlich von März bis Oktober bespielt werden. Interessierte können sich von Freitag bis Sonntag hier umschauen. Seit letztem Wochenende zeigen hier Cosimo Gritsch und der in Aarau lebende Lionel Keller in der Beletage-Ouvertüre Radierungen, Holzschnitte und Acryl-Arbeiten. «Im besten Fall werden sich die Kiff-Besucher vor den Konzerten auch mal in die Beletage verirren», hofft Sabine Trüb. Wenn die Konzerkultur auf Kunst trifft, passieren spannende Dinge.

Gemietet haben die Organisatoren den Ausstellungsraum auf eigene Kosten: «Das gibt uns Freiraum, wir müssen keine unserer Aktionen rechtfertigen», erklärt Otto Grimm. Auch versuche man den Betrieb möglichst «schlank» zu organisieren, ergänzt Sabine Trüb. Die Künstlerin findet, dass die Aarauer Kunstszene durch den Wegfall von Galerien wie der von Elisabeth Staffelbach etwas «ausgetrocknet» sei. Das Beletage solle ein «Projektraum» sein, in dem unterschiedliche künstlerische Initiativen möglich sind. «Es muss keine klassische Ausstellung sein wie diese hier», so Grimm.

Das Beletage knüpft mit seiner Präsenz im Kiff an eine lange Tradition. Seit der Kunstraum Aarau 2003 seinen Kiff-Standort in die Innenstadt ans Ochsengässli 7 verlegt hat, fehlt im Kiff ein fester Ausstellungsbetrieb. Das Beletage will diese Leerstelle wieder füllen.Wie lange, können die Organisatoren noch nicht sagen. Mit Hinblick auf den geplanten Kiff-Neubau ist das Projekt auch ein Statement, neben der wirtschaftlich bedeutenden Konzerttätigkeit des Kiff auch die Bedeutung der Kunst nicht zu vergessen, die in diesem Haus eine lange Tradition hat.

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