Kommentar

Der Elefant und ich – Freunde auf Erden?

Künftig muss das Zirkuspublikum auf die beliebten Elefantennummern verzichten. Dafür können die Dickhäuter im Kinderzoo besucht werden.WALTER BIERI/Keystone

Künftig muss das Zirkuspublikum auf die beliebten Elefantennummern verzichten. Dafür können die Dickhäuter im Kinderzoo besucht werden.WALTER BIERI/Keystone

Gerade artgerecht wird es wohl nicht sein, was die Elefanten in der Zirkusmanege zeigen mussten. Und sicher nicht artgerecht war ihre Haltung.

In engen Wagen, Ketten an den Füssen, anders war es halt nicht möglich. Also wird man den grössten Landsäugern den Ruhestand gern gönnen.

Tierschutz oder Zeitgeist oder beides: Es ist ein Verlust. Was haben uns dressierte Elefanten in der Manege bedeutet? Man sprach von «Grazie», wenn die Dickhäuter ihr Vorderbein hoben, sich auf die Hinterbeine stellten oder sich auf Podeste setzten. Mitgedacht war aber immer «trotz» – trotz ihres Gewichts. Die Elefanten taten etwas – für uns –, wofür sie nicht gemacht waren. Sie taten einen Schritt – auf uns zu. Sie näherten sich den Menschen an.

Ohne Grosstiere (auch die Tiger und die Löwen werden wir vermissen) im Zirkus geht eine Illusion verloren. Die Illusion, dass sich zwischen Mensch und (Gross-) Tier eine Beziehung ergeben könnte. Bei unseren Haus- und Nutztieren haben wir die zwar, aber es ist eine andere. «Wilde Tiere», die sich freiwillig eines Teils ihrer Wildheit entledigen, die sich auf unsere Augenhöhe begeben, da regt sich in uns das Gefühl, dass die Kluft doch nicht endgültig sei. Dass sich zwischen Mensch und Tier auch ein anderes Verhältnis als Jagen und Gejagtwerden – oder schlicht der Kampf um den Lebensraum – ergeben könnte. Dass nicht das Lamm und der Tiger einträchtig beieinanderliegen – das ist uns egal –, sondern dass wir und das Tier doch irgendwie koexistieren könnten. Jetzt bleibt nur noch das Ausrotten.

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