Menschen neigen im Misserfolg dazu, gewisse Dinge zu dramatisieren. Genauso wie sie im Erfolg manchmal etwas zu euphorisch werden. Die ZSC Lions funktionieren anders. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum die Zürcher in den letzten Jahren zu einer Organisation des Erfolgs wurden.

Wie also denken über eine Saison, die auf dem Papier mit dem Qualifikationssieg und der Teilnahme am Playoff-Final mehr als ordentlich aussieht, die aber einen faden Beigeschmack hinterlässt durch die etwas gar deutliche Lektion, die der HCD dem ZSC erteilt hat? Trotz der jüngsten Enttäuschung gilt: Der ZSC hat in den letzten Jahren fast alles richtig gemacht. Zwei Titel, ein Final und ein Halbfinal in den letzten vier Jahren sind eine hervorragende Bilanz.

Dazu werden die eigenen Junioren so zahlreich wie kaum zuvor integriert. Und das Reservoir scheint beinahe unermesslich. Die Zürcher arbeiten auf jeder Stufe unaufgeregt und zielgerichtet. Und sie verpassen es nicht, jeweils frühzeitig die Weichen zu stellen. Geschäftsführer Peter Zahner sagt: «Den Satz habe nicht ich erfunden, aber er ist ziemlich gut: Der Erfolg ist der Ursprung jeder Krise.»

«Viel Vorspiel und wenig Höhepunkt»

Auch auf die nächste Saison hin wird das Team leicht verjüngt. Mark Bastl und Andri Stoffel verlassen die Lions. Vom EVZ stösst Fabrice Herzog dazu. Zudem kehren mit Phil Baltisberger und höchstwahrscheinlich Pius Suter zwei Spieler zum ZSC zurück, die im Verein ausgebildet wurden.

Zwischen 2005 und 2011 galt im Schweizer Eishockey das «Davoser Gesetz», die Bündner wurden vier Mal in Serie in den ungeraden Jahren Meister. Auf ein Jahr des Triumphs folgte eines der sanften Erneuerung, der Hunger musste wieder neu entfacht werden – einer der Hauptgründe, warum es seit 2001 (ZSC Lions) niemandem mehr gelang, den Titel zu verteidigen. Nun spricht vieles dafür, dass die Zürcher in die Davoser Fussstapfen treten. Stand heute führt der Titel 2016 nur über eine Mannschaft: den ZSC.

Im Anschluss an die Finalserie gelang es Sportchef Edgar Salis trotzdem nicht ganz, seine Enttäuschung zu verbergen. «Die Saison war ok. Vielleicht gut. Aber sicher nicht sehr gut. Wir spielten über die ganze Saison gesehen nie wirklich zwingend.» Und er schloss seine Analyse mit einem Vergleich aus der schönsten Nebensache der Welt: «Es war mir etwas gar viel Vorspiel und wenig Höhepunkt.»

Grenzen kommen irritierend schnell zum Vorschein

Tatsache ist: Die ZSC Lions spielen unter Trainer Marc Crawford kaum je das viel zitierte Playoff-Eishockey. In seinen drei Amtsjahren gewann er zwar sechs von acht Playoff-Serien, vier davon aber im siebten Spiel. Immer wieder schaffen es Teams, die massiv weniger talentiert sind, die Zürcher an den Rand des Absturzes zu bringen. Irritierend ist, wie schnell der ZSC an seine Grenzen kommt, wenn der Gegner wie Fribourg 2013 und Davos 2015 nicht nur Leidenschaft, Härte und Charakter zeigt, sondern auch das Tempo mitgehen kann.

Playoff-Hockey hat der ZSC letztmals unter Bob Hartley beim Titel 2012 gezeigt. Die Zuschauer beschlich in letzter Zeit häufig das Gefühl, die Zürcher seien etwas zu sehr von sich selbst überzeugt. Aber wäre es falsch, Crawford in Frage zu stellen. Die Spielkultur, die ihm vorschwebt, ist überzeugend und attraktiv. Wie er junge Spieler fördert gar herausragend. Trotzdem ist es fraglich, wie es mit dem kanadischen Trainer weitergeht. Er kann bis zum 15. Juni in die NHL abspringen.

Sportchef Salis bekräftigte, dass er natürlich schon über eine Lösung nachgedacht habe für den Fall der Fälle. Und wieder einmal geistert der Name Arno Del Curto durchs Hallenstadion. Der Erfolgstrainer hat bei Davos noch nicht verlängert und scheute sich in der Vergangenheit nie, mit seinem Abgang zu kokettieren. Ein Wechsel Del Curtos zum ZSC wäre zwar reizvoll – realistisch ist er aber nicht. An einem ändert das nichts: Vielleicht wäre ein neuer Reiz an der Bande für die Löwen gar nicht schlecht.