Persönlich

Wie viel ist (oder sind?) 60 Prozent?

Wer bildet sich weiter?

Wer bildet sich weiter?

«60 Prozent der Bevölkerung bildet sich weiter», heisst es auf einem Plakat Am Bahnhof. Richtig gelesen: bildet, mit «t». 60 Prozent: Ist das nun ein erfreulich hoher Wert? Oder liegt er angesichts der Tatsache, dass doch eigentlich für uns alle lebenslanges Lernen angesagt wäre, nicht doch eher sogar enttäuschend tief? Wie auch immer: Auf jeden Fall sind 60 Prozent sage und schreibe 60 Mal mehr als ein Prozent, also ziemlich viel Plural.

Da gerät man ins Grübeln. Welche Botschaft will uns da die Mitteilung, dass 60 Prozent der Bevölkerung sich nicht etwa weiterbilden, sondern weiterbildet, vermitteln? Dass sich die 40 Prozent Weiterbildungsfaulen keine Sorgen zu machen brauchen, weil es für sie im schlimmsten Fall selbst ohne rudimentärste mathematische Grundlagenbildung immer noch zum Werbetexter reichen würde? Oder ist es doch ein geradezu genialer Schachzug, um diese 40 Prozent wach zu rütteln, indem sie bei Betrachtung des Plakats in Selbstzweifel verfallen und einen Auffrischungskurs in Grammatik buchen?

Was mich betrifft, muss ich zugeben: Der Coup ist gelungen. Gestern hätte ich noch schwören können, dass 60 Prozent der Bevölkerung auf jeden Fall ziemlich viele Menschen sind, immerhin klar mehr als die Hälfte von allen. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Es kann auch sein, dass ich zu den 40 Prozent gehöre, die keine Ahnung hat.

urs.moser@chmedia.ch

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Autor

Urs Moser

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