Kommentar

Traum und Trauma

Der Hürligturm, die Wengibrücke, das 1378 zur Sicherung der Aarebrücke erbaute innere Wassertor oder Brückentor und die Bastion St. Georg, die Katzenstiegeschanze, mit dem Haffnerturm. Rechts vom Wassertor das Litzi-Gebäude.

Der Hürligturm, die Wengibrücke, das 1378 zur Sicherung der Aarebrücke erbaute innere Wassertor oder Brückentor und die Bastion St. Georg, die Katzenstiegeschanze, mit dem Haffnerturm. Rechts vom Wassertor das Litzi-Gebäude.

Für Jahrhunderte hatten sie das Stadtbild geprägt: das Wassertor über der Wengibrücke, daneben der massige Haffnersturm mit der lindengekrönten St. Georgsbastion am Aarestrand. Binnen 20 Jahren war das pittoreske Ensemble plattgemacht. Ein Trauma noch heute für Solothurn. Doch dieses werkelte damals munter weiter. 1905 riss man das Turnschänzli in der Vorstadt ab. Ein Aufschrei – der Schweizerische Heimatschutz wurde gegründet. Seither gilt: Jeder Stein von damals muss auf dem andern bleiben! Mit kleinen Ausnahmen: Die Aareabtreppung am Ritterquai machte ein Stück Stadtgeschichte wieder sichtbar. Warum nicht auch im Westen den historischen Bezug rekonstruieren, mit einem offenen, gegen das Ufer abgetreppten Postplatz, der auch die westliche Ecke der damaligen Barockbefestigung als Einschnitt wiedergibt? Solothurns Geschichte würde durch die zwei Eckpunkte lesbarer.

Wenn wir gerade am Träumen sind, dann richtig. Der Ersatz der SBB-Bahnbrücke ist eine Chance. Könnte eine Bahn- Bus-Kombibrücke mit neuer Linienführung eine wirklich verkehrsfreie Vorstadt bringen, den Post- mit dem Storchenplatz zu einer busfreien Flanierzone zusammenschweissen? Die Wengibrücke muss ja in längstens zehn Jahren auch ersetzt werden. Durch eine kostengünstige Leichtkonstruktion, die keine Busse tragen muss? Nur so. Ein Traum.

wolfgang.wagmann@chmedia.ch

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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