Persönlich

Sonnenstore und Tomatenstaude

Die Tomatenstaude zeigte sich vom künstlichen Schatten wenig begeistert. (Symbolbild)

Die Tomatenstaude zeigte sich vom künstlichen Schatten wenig begeistert. (Symbolbild)

Wie oft hatte ich unter der sengenden Hitze geächzt, die sich an freien Tagen auf meiner vor Sonneneinstrahlung ungeschützten Laube staute. Wie oft hatte ich mir vorgestellt, wie es wäre, ein laues Lüftchen blähte leichtes Segeltuch, hinter dem sich angenehme Kühle verbreitete.

Nun, bestellt war die sandfarbene Senkrechtstore im Nu. Doch die Lieferung liess auf sich warten. Selber schuld, wer zuerst Wochen ins Land ziehen lässt, bis er sich zur Bestellung durchringt. Doch das Warten lohnte sich. Seit Freitag kurble ich bei jedem neuen Einfallswinkel der Sonnenstrahlen Zentimeter rauf und runter. Auf dass Wärme, Licht und Schatten in perfektem Einklang unübertroffenen Balkongenuss erzeugen. Wobei – Ironie des Schicksals: Just am Tag der Montage regnete es, was das Zeug hielt.

Zudem, was ich nicht bedacht habe, ist dies: Die sorgsam gehegte Tomatenstaude, die eindrückliche drei Früchte trägt, empfindet den künstlich erzeugten Schatten keineswegs als Fortschritt. Als wollte die Pflanze ihren stillen Protest deponieren, lässt sie ihre Blätter zunehmend traurig hängen. Und die Tomaten scheinen die Reifung einstweilen sistiert zu haben. Ein klassischer Fall für einen Kompromiss: Ab in den Halbschatten, lautet die Losung. Für mich und dich.

balz.bruder@chmedia.ch

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Balz Bruder

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