Der Piazza del campo in Siena beeindruckte den Autor.

Der Piazza del campo in Siena beeindruckte den Autor.

Sassen wir als Familie am Tisch, so erinnerte sich Vater häufig an die alte Begebenheit, dass meine Schwester und ich als kaum des Sprechens fähige Kinder das eine Wort immer brauchten: selber! Keine Hilfe beim Essen, beim Anziehen, Zähneputzen, beim Auspacken von Geschenken, Kämmen, Föhnen und so fort.

Ein paar «Selber» sind mir geblieben: Ich mag etwa keine Reisetipps und somit keine Anregung, wohin ich meinen trägen Geist wälzen soll. Ich lehne die durchaus liebevoll gemeinte Aufforderung «Probier doch mal!» eigentlich in jeder Lebenssituation dankend ab und ernte dafür das pure Unverständnis meines Gegenübers. Oder ich vernachlässige Buchtipps mit stupender Beharrlichkeit.

Ich möchte nämlich selber entdecken. Bis an mein Lebensende werde ich mich an meinen Besuch in Siena erinnern, einer Stadt, von der ich nichts wusste, abgesehen davon, dass es sie gab. Wir gingen durch schmale Gassen und landeten auf der Piazza del Campo. Ich war einfach hin. Und das will was heissen.

Ganz im Gegensatz zu Moskaus Rotem Platz Jahre später, über den ich Unglaubliches gehört hatte. Schiere Weite. Militärparaden. Maifeiern. «Ja», dachte ich, als ich ihn sah, «ganz hübsch.» Mehr stieg in mir nicht hoch. Er war halt einfach schon irgendwie entdeckt und ich nur zum ersten Mal da. 

urs.huber@chmedia.ch

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urs huber

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