Nein, die deutsche Trainerlegende Sepp Herberger hat natürlich nicht von Weihnachten gesprochen, sondern vom Spiel, dem Fussball. Was er meinte, war: Mit dem Abpfiff der Partie beginnt die Vorbereitung auf die nächste.

Auch wenn die Zitatanleihe demnach etwas holpert: Mit Weihnachten verhält es sich ähnlich. Wir überlegen, was schön war an dem Fest – und was weniger. Vielleicht nehmen wir uns vor, das nächste Mal alles noch ein bisschen besser zu machen – oder möglicherweise ganz anders. Um in knapp einem Jahr festzustellen, dass sich das taktische Dispositiv am und unter dem grünen Weihnachtsbaum um keinen Zentimeter verschoben hat.

Zu beklagen ist das nicht. Schliesslich fordert uns der Feiertagskalender alles ab. Zeit zum Verschnaufen bleibt da kaum. Derweil die Küchenschublade noch fast birst von Weihnachtsguetzli-Überhang, wird in den den Backstuben Dreikönigskuchenteig geknetet, was das Zeug hält. Und wetten, dass irgendwo bereits auch die Schokoladehasen in Reih und Glied auf ihren Ostereinsatz warten?

Herberger wusste eben schon, wovon er sprach. Auch, als er meinte: «Wer Taktik ablehnt und sie faulen Zauber nennt, hat sie am meisten nötig.» Ja, so ist es wohl. Und doch ist es nicht die Taktik allein, die über Sieg und Niederlage entscheidet. Weder auf dem Fussballfeld noch unter dem Tannenbaum beim Wichteln. Eine gehörige Portion Glück gehört dazu. Daran werde ich mich am 6. Januar erinnern, wenn mein Biss bestenfalls eine Rosine treffen wird. Dann tröste ich mich mit meinem Namen – und der glücksbringenden Taktik meiner Eltern bei dessen Auswahl.

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