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Das Einläuten des Frühlings bedeutet, das Velo auf Vordermann zu bringen. (Symbolbild)

Das Einläuten des Frühlings bedeutet, das Velo auf Vordermann zu bringen. (Symbolbild)

Frühling. Zeit, das Velo auf Vordermann zu bringen. Kurz vor dem Lockdown wurden Bremsklötze und Öl gekauft; das Rad auf der Gasse aufgemotzt. Diese war damals von Menschen erfüllt – darunter offenbar so einige Kennerinnen und Kenner. Gefühlt jede zweite Person meinte: «Machsch’s de rächt, gäu!» Ah ja, danke. «Papi, was mache die?» – «Die verlüüre Schruube.» Nein, aber fehlen Ihnen etwa Schrauben? Die mehr oder weniger schlagfertigen Antworten behielten die Werkenden für sich; sie konzentrierten sich auf das Rad.

Dieses ist nun in Top-Zustand. Nur: Gebraucht wird es nicht mehr. Auch auf der Gasse ist es ruhig geworden. Fast schon traurig wirkt das Velo dort, wird von niemandem gefahren, umgeworfen oder blockiert. Ebenfalls niedergeschlagen die Fahrerin, die nun auch keine schiefen Blicke mehr erntet, weil sie versehentlich in die Kette gelangt hat und die Hände nicht ganz so unauffällig an den Hosen abwischt; oder den Helm auf den Boden krachen lässt, weil sie auch noch Hausschlüssel, Handy und Veloschloss in den Fingern hat.

Zu Beginn lachte sie noch über sich selbst, das klang auf der verlassenen Gasse aber doch recht albern. Was ihr lieber wäre: Lachende, andere Gesichter. Wenn’s sein muss auch Ratschläge. Brauchbar oder nicht. 

noelle.karpf@chmedia.ch

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