Persönlich

Fort mit Schaden nach Ostern

Derart sah das selbstgenagelte Vogelhaus nie aus.

Derart sah das selbstgenagelte Vogelhaus nie aus.

Ungern erinnere ich mich daran, was ich in Kindergarten-Zeiten an gut Gemeintem, aber Nutzlosem produzierte. Die Artefakte waren häufig ästhetisch unbefriedigend. Es sei denn, man interpretierte die Eigenheiten als stilistische Ausprägungen. All die Aschenbecher aus Ton, all die genagelten Vogelhäuschen, all die farbigen Osternestli – ein Graus!

Geschuldet ist diese ungeschminkte Feststellung der schieren Tatsache, dass meine handwerklichen Fähigkeiten schon damals äusserst bescheiden waren. Und weil Kunst mitunter auf Handwerk gründet, war es auch mit dem Kunsthandwerk nicht weit her. Und, Hand aufs Herz, liebe Eltern, Göttis, Gotten, Onkel und Tanten: Weshalb immer die gute Miene zum bösen Spiel? Warum fandet ihr immer herzig, was der schon vor dem Eintritt ins Schulalter gestalterisch genötigte Bub an hohen und niederen Feiertagen nach Hause schleppte?

Ehrlich wäre gewesen, ihm zu sagen: Weisst du, es ist nicht nötig, dass du dich an Fischkleister, Zündhölzern, Karton und Laubsägeliholz für uns abmühst. Wir haben dich auch lieb, wenn du uns ein paar schöne Zeilen schreibst. Unausgesprochener Subtext, fakultativ: Das erspart uns nebenbei nach Ostern, zum Beispiel, das Dilemma über Aufbewahren aus Respekt oder Entsorgen aus Vernunft.

balz.bruder@chmedia.ch

Verwandtes Thema:

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

Meistgesehen

Artboard 1