Das zeichnet den Solothurner Unternehmerpreis, der gestern im Landhaus verliehen wurde, aus: Es handelt sich nicht um das lieblose Abarbeiten einer in die Jahre gekommenen Tradition, sondern um eine gediegene Feierstunde mit vielen Facetten. Das gilt für Jury und Preisträger ebenso wie für die von Politik und Wirtschaft vermittelten Botschaften.

Auch wenn man sich so früh im Jahr noch nicht auf die Zehen treten will, so wurde bei der Verleihung doch klar: Dem Kanton steht mit dem Entscheid über die Umsetzung der Steuerreform ein regelrechter politischer Brocken bevor. Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu, wie sich auch im Landhaus zeigte: Ausgerechnet die Grüne wird die Bannerträgerin der regierungsrätlichen Vorlage sein müssen, wenn es im Mai um die Absegnung von Tiefsteuerstrategie und flankierenden Massnahmen geht.

Die Erwartungen von Wirtschaft und Gewerbe sind klar: Der von der Regierung vorgeschlagene Weg ist ohne Alternative – auch wenn die Regierungsrätin selbst von «erheblichen finanziellen Risiken» spricht. Doch damit nicht genug: Die Gewerbeverbands-Spitze brachte am gleichen Anlass deutlich zum Ausdruck, dass sie strukturelle Eingriffe erwartet, um den Patienten Kanton Solothurn gesunden zu lassen. Und zwar unabhängig von der Steuervorlage. Das lässt aufhorchen. Jedenfalls ist die Kombination von Steuervorlage und Strukturreform ein explosives Gemisch. Die Zeiten von Räucherlachs und Prosecco könnten schon bald passé sein.

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