Persönlich

Ein Pilzverein für jedefrau

Frauen dürfen in Welschenrohr dem Pilzverein nicht beitreten. (Symbolbild)

Frauen dürfen in Welschenrohr dem Pilzverein nicht beitreten. (Symbolbild)

Man könnte im ersten Moment meinen, dass Pilzesuchen eine relativ geschlechtsneutrale Angelegenheit ist. Fast so wie die Pilze selber. Ein Korb, die passende Kleidung, ein gutes Auge. Mehr braucht es nicht, um sich das Abendessen im Wald zusammenzusammeln. Ein Hobby also, dem Frauen und Männer gleich gut nachgehen können.

In Welschenrohr sieht man das aber anders: Dort dürfen nach wie vor nur Männer dem Pilzverein beitreten. Ihre Frauen sind immerhin ein Mal im Jahr zum Hauptanlass eingeladen, ansonsten müssen sie aber ohne die Rückendeckung des Vereins durch den Wald spazieren. Obwohl ein paar von ihnen dem Verein gerne beitreten würden.

So war das im Dorf aber schon immer, warum sollte sich daran auch etwas ändern. Schliesslich machen die Frauen den Männern schon genug streitig: Die Plätze in den Chefetagen, die Deutungshoheit über gesellschaftliche Normen. Und nun also auch noch die Pilze im Wald.

Lässt man sich auf ein Gedankenspiel ein und denkt in traditionellen Rollenbildern, scheint die Sorge aber plötzlich berechtigt: So sind wir Frauen doch ursprünglich die geborenen Sammlerinnen. Vielleicht sollten die Frauen also einfach ihren eigenen Verein gründen. Wahrscheinlich wären sie sogar besser dran.

rebekka.balzarini@chmedia.ch

Autor

Rebekka Balzarini

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