Kommentar

Die Heimat bröckelt

Das Restaurant Sternen wird nur noch Take-away anbieten und auch nicht mehr öffnen, wenn die Coronakrise ausgestanden ist.

Das Restaurant Sternen wird nur noch Take-away anbieten und auch nicht mehr öffnen, wenn die Coronakrise ausgestanden ist.

«Mir gö i Stärne!» Immer ein guter Entscheid. Das Überfliegen der Pizzakarte, um dann doch wieder die «Sandra» mit Meerfrüchten zu ordern. Klein, aber fein. Dick belegt, nicht so Wagenräder mit spärlichen Spurenelementen. Die ersten Moules im Dezember. Das Vitello tonnato, begleitet von einem Glas Rosé am lauen Sommerabend auf der Terrasse. Schon die Spannung: Gibt’s noch einen passenden Tisch für uns? Ablästern über das vorbei ratternde Bipperlisi oder Velofahrer, die bei Rot einfach so über die Kreuzung flitzen. Small Talk mit vielen bekannten Gesichtern. Der «Sternen». Für uns von der Narrenzunft Honolulu das letzte Abendmahl vor der Chesslete, abgerundet dann von Bernasconis Schinken am Aschermittwoch. Aus und vorbei.

Wir können es noch nicht glauben. Aber wir müssen. Erschrecken auch. Denn der «Sternen» ist wohl erst der Anfang. Sehr viele lieb gewonnene Beizen, Bars und Geschäfte stehen vor der Existenzfrage. Ausharren trotz der höchst unsicheren Zukunft, bis der letzte Franken weg ist, und dann doch schliessen? Oder warum nicht gleich, wenn es ohnehin bald ans Aufhören ginge? Viele Entscheide reifen in den nächsten Wochen – sofern überhaupt noch Ermessens-Spielraum besteht.
Machen wir uns nichts vor: Trotz aller Hilfszusagen, sie bröckelt, unsere Heimat
Solothurn. Es riecht förmlich danach – nach einem Weltuntergang in Raten. 

wolfgang.wagmann@chmedia.ch

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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