Exakt 995 Millionen Franken und keinen Rappen mehr: So viel will der Bundesrat für Olympische Spiele in der Schweiz ausgeben. Die Landesregierung lehnte eine unbegrenzte Defizitgarantie ab — und hat richtig gepokert. Das Internationale Olympische Komitee akzeptiert eine begrenzte Defizitgarantie für die Winterspiele «Sion 2026».

Begrenzt oder unbegrenzt: Sind die Olympischen Spiele defizitär, muss jemand für die Ausfälle geradestehen. Das IOC wird das nicht tun. Dennoch ist der Brief aus Lausanne eine gute Nachricht für die Promotoren von «Sion 2026». Er belegt einerseits, dass im IOC ein Umdenken stattfindet und die Agenda 2020 ernst genommen wird. Andererseits ist es nun aber am Komitee «Sion 2026», zu zeigen, ob es kreative Lösungen findet, um ein allfälliges Defizit zu decken. Weshalb Ausfallrisiken nicht versichern?

Die Kandidatur stösst in der Politik, aber auch in der Bevölkerung auf viel Skepsis. Dabei wären Olympische Spiele in der Schweiz toll — ein Zeichen gegen die Scheinheiligkeit. Wir beschweren uns im Vorfeld regelmässig über den Gigantismus Olympischer Spiele, beklagen Umweltsünden und Korruption. Brettern jedoch die ersten Skifahrer über die Pisten, ist die Kritik schnell vergessen. Die Geschichten über Sieg und Niederlagen ziehen in den Bann. Der Fernseher bleibt nicht stumm, die Zeitungsseiten bleiben nicht weiss, nur weil die Olympischen Spiele in autoritären Staaten stattfinden.

Die Schweiz hat gute Voraussetzungen, um Olympische Spiele zu organisieren, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Die Kandidatur «Sion 2026» will bestehende Infrastrukturen nutzen, auf Neubauten weitgehend verzichten und auf den öffentlichen Verkehr setzen. Die Schweiz könnte sich und der Welt beweisen, dass weise und weisse Spiele möglich sind.