Ich kann dich gerne mit dem Auto zurück nach Dietikon nehmen, dann gehts schneller», bot mir mein Kollege nach dem gemeinsamen Medientermin in Bern freundlicherweise an. Spätestens als ich kurz vor Wangen an der Aare seinen besorgten Blick sah, während unser Auto langsam Tempo einbüsste, dämmerte mir, dass Geschwindigkeit relativ ist. So zuverlässig wie das Auto eben noch funktionierte, stellte es plötzlich ab und reagierte nicht mehr. So landeten wir auf dem Pannenstreifen und statt früher im Büro zu sein, lernte ich erstmals Stillstand auf der A1 kennen.

Es ist erstaunlich, wie stark sich die Wahrnehmung der Autobahn wandelt, wenn man als einziger nicht mit über 100 Kilometern pro Stunde darüber brettert, sondern eine gefühlte Ewigkeit über das gleiche Ausfahrtsschild am Jurasüdfuss nachdenken kann. Plötzlich denkt man über Luftdruck nach und freut sich über den zunehmenden Abendverkehr, weil die langsamer vorbeifahrenden Lastwagen nicht mehr jedes Mal das eigene Auto durchschütteln. Und man macht sich Gedanken darüber, wo man eigentlich gelandet ist. Wussten Sie etwa, dass die Kantonsgrenze hier viel stärker mäandriert als die vorbeifliessende Aare – als wäre sie betrunken gezeichnet worden. Oder dass das nahegelegene Egerkingen sich vor einigen Jahren um sein Image sorgte, als das rechtskonservative «Egerkinger Komitee» die Burka-Initiative lancierte.

Nach knapp anderthalb Stunden sahen wir dann von Weitem das erlösende, blinkende Licht des Abschleppdiensts. Der freundliche und entspannte Garagist holte uns zurück in die Realität: Was für uns eine surreale Erfahrung war, ist für ihn Alltag. In der nahen Autogarage wurden wir mit einem Kaffee gestärkt und gleich noch zum Bahnhof gebracht, um unsere Reise fortzusetzen.

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