Kolumne

Was ich meinem 15-jährigen Ich über die Liebe sagen möchte

Es ist keine Liebe, wenn du kämpfen musst! Wie gerne hätte ich das bereits als 15-Jährige gewusst.

Es ist keine Liebe, wenn du kämpfen musst! Wie gerne hätte ich das bereits als 15-Jährige gewusst.

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Wissen macht nicht immer schlau – in der Liebe schon.

Hätte ich als 15-Jährige gewusst, dass meine Liebeszukunft einem weissen Blatt Papier gleicht, auf das ich nach Lust und Laune schreiben und malen kann, manchmal die Mine bricht oder die Farbe ausgeht, aber sich auch diese Schwierigkeiten würden meistern lassen, wäre vieles einfacher gewesen damals.

Stattdessen glaubte ich, mich meinem Liebesschicksal ergeben zu müssen – schliesslich kann man sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt. Und erst recht nicht, wie derjenige drauf ist, wenn es dann ernster wird.

Dass ich vieles selbst zum Gelingen meines (Liebes-)Lebens beitragen kann, habe ich mittlerweile gelernt. Die folgenden drei Liebesweisheiten würde ich dennoch gerne meinem 15-jährigen Ich mit auf den Weg geben:

Dass es keine Liebe ist, wenn du kämpfen musst. Ich war überzeugt damals: Erst, wenn ich jemanden mühselig erobert habe (oder jemand mich), verleihe ich der aufkeimenden Liebe den ihr zustehenden Wert – auch in Filmen und Büchern sind Beziehungen anfangs ja meinst super kompliziert und enden dennoch immer mit einem Happy End.

Liebes 15-jähriges Ich: Du beweist niemandem, dass du ihn magst, nur weil du leidest. Klammere dich nicht an Männer, mit denen es schwierig ist. Das wird dir viele schlaflose Nächte ersparen (und ich hätte heute vermutlich weniger graue Haare).

Dass Jungfräulichkeit ein soziales Konstrukt ist. Weder die Jungfräulichkeit zu bewahren, um als «rein und unbefleckt» zu gelten, noch die Jungfräulichkeit zu verlieren, um nicht zu den unbeliebten Spätzündern zu gehören, fördert den unbeschwerten und schambefreiten Umgang Jugendlicher mit ihrer Sexualität.

«Was, die hatte mit 12 schon Sex?» und «du bist 18 und immer noch Jungfrau?» ging mir früher schon mal über die Lippen. Mit 15 Jahren dachte ich, es sei auch für mich langsam an der Zeit, keine Jungfrau mehr zu sein. Ich entschuldige mich für diese Haltung: Bei meinem früheren Ich und bei allen anderen, die ich damit verunsicherte.

Dass man nicht die ist, als welche die anderen einen sehen, aber auch nicht immer die, als die man sich selbst sieht. Mit 15 war ich der Ansicht, meine Meinungen seien jetzt gemacht, und das liess wenig Raum für den Willen, in Sachen Liebe (und in allen anderen Lebensthemen) noch viel dazuzulernen. Die Begrenztheit des eigenen Verstandes zu begreifen, befreit von Vorstellungen (etwa, dass man von allen männlichen, coolen Exemplaren der Schule gemocht werden muss) und Überzeugungen (etwa, dass die Liebe ein Kampf ist).

Botschaft an mein 15-jähriges Ich: Die grossen Erkenntnisse werden noch kommen, und deine Ansichten sich noch gut 847 Mal ändern. Sei einfach offen dafür.

Dass mit dem Älterwerden die Liebe nicht plötzlich problemfrei wird, das enthalte ich meinem 15-jährigen Ich natürlich vor.

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