Bei den nationalen Wahlen im Herbst dürften Grüne und Grünliberale jubeln. Darauf deutet nach den Resultaten der kantonalen Wahlen in Zürich und Luzern auch das SRG-Wahlbarometer hin. Fast drei Prozentpunkte legen die Grünen demnach zu und holen damit beinahe die CVP ein. Für Schweizer Verhältnisse sind das grosse Verschiebungen. Aussergewöhnlich ist zudem: Die Grünen gewinnen deutlich, ohne dabei der SP das Wasser abzugraben.

Verliererin der Stunde ist vielmehr die SVP. Sie muss zwar nicht um ihren Rang als stärkste Partei fürchten, doch ihr droht im Herbst eine herbe Niederlage. Ihre Kernthemen Europa und Zuwanderung ziehen weniger gut als auch schon. Die übrigen bürgerlichen Parteien können vom SVP-Formtief bislang nicht profitieren: Die CVP schwächelt, der Höhenflug der FDP scheint vorbei – und die BDP kämpft gegen die Bedeutungslosigkeit. Bleibt es bis im Herbst bei dieser Konstellation, so wird das nationale Parlament nicht nur grüner, sondern auch linker.

Allerdings sagt der Wähleranteil allein nicht alles über die tatsächliche Stärke einer Partei aus. Die Grünen und die Grünliberalen werden trotz Höhenflug auch nach den Wahlen im Ständerat nur eine marginale Kraft sein – ganz anders als die CVP. Die Grünliberalen haben zudem das Manko, dass sie in der Romandie bisher wenig Wurzeln schlagen konnten. Zu früh freuen sollten sich Grüne und Grünliberale sowieso nicht, denn: Bis zu den nationalen Wahlen dauert es noch vier Monate. In dieser Zeit kann einiges geschehen.