Dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der höchst umstrittenen Reform der beruflichen Vorsorge halbwegs einig würden, erwartete kaum einer. Zwar sitzt das Gewerbe nicht mit am Tisch, das ist ein unschöner Makel, der ein Gelingen der Reform erschwert. Trotzdem haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Kompromiss gefunden, für den beide Seiten Kröten schlucken mussten. In aller Kürze: Die Gewerkschaften gaben beim Umwandlungssatz nach, der in einem Schritt von 6,8 auf 6 Prozent gesenkt werden soll. Die Arbeitgeber akzeptieren einen grosszügigen Rentenzuschlag.

Erfreulicherweise orientiert sich das Reformpaket am Wandel auf dem Arbeitsmarkt und ermöglicht tieferen Einkommen sowie Teilzeitpensen den Aufbau einer zweiten Säule. Profitieren können davon vor allem Frauen, die heute eine kleine oder gar keine BVG-Rente haben.

Eine austarierte, gelungene Sache also? Auf den zweiten Blick haben die Gewerkschaften sich durchgesetzt. Denn dass die Arbeitgeber einem solidarisch finanzierten Rentenzuschlag zustimmen, ist zumindest erstaunlich.

Denn erstens wehrten sie sich zuletzt gegen die Ausschüttung von Renten nach Giesskannenprinzip – der 70 Franken AHV-Zuschlag lässt grüssen!

Zweitens bricht der Vorschlag mit einem Tabu: Für das Altersguthaben in der zweiten Säule spart nicht mehr nur der Einzelne für sich selbst, es findet nach dem Prinzip der AHV eine Umverteilung statt. Wer viel verdient, zahlt auch deutlich mehr in den solidarisch finanzierten Fonds, weil alle Erwerbstätigen dafür 0,5 Prozent ihres Lohnes abgeben müssen. Der ausbezahlte Rentenzuschlag ist für arm und reich aber gleich hoch. Er hängt alleine vom Zeitpunkt der Pensionierung ab. Da die ersten Jahrgänge stärker profitieren, haben die Jüngeren das Nachsehen, die mit der Reform ja eigentlich entlastet werden sollen.

Und drittens verstösst die Einführung neuer Leistungen gegen das liberale Credo: Wer einmal eine soziale Stütze einführt, wird sie nie wieder los.