Die Ausgangslage ist klar: Die meisten grossen Schweizer Pensionskassen lehnen die Entschädigungen für das oberste Management der Credit Suisse und damit den Vergütungsbericht der Grossbank ab. Letztes Jahr haben 13 von 16 Pensionskassen gegen die Millionenvergütungen gestimmt, wie unsere Recherchen zeigen. Die CS wiederum hält an den Kernelementen ihrer Vergütungspolitik fest und schüttet trotz massivem Kursrückgang der
Aktie deutlich mehr ans Management aus. Das Gehalt von Konzernchef Tidjane Thiam steigt sogar um 30 Prozent.

Weil die Credit Suisse an ihrer Entschädigungspolitik festhält, ist das Nein der Schweizer Vorsorgewerke zur selben an der nächsten Generalversammlung so sicher wie das alljährliche Böögg-Verbrennen am Sechseläuten. Die Grossbank meint, es sich leisten zu können, das Abstimmungsverhalten der grössten institutionellen Anleger der Schweiz zu ignorieren. Die CS-Verwaltungsräte denken wohl: Dank der Stimmen von grossen Investoren und Stimmrechtsverwaltern aus dem Ausland werden wir durchkommen. CS-Präsident Urs Rohner dürfte im Vorfeld ausgelotet haben, ob die grössten Aktionäre dem Vergütungsbericht zustimmen.

Doch ist es wirklich klug, die Pensionskassen Jahr für Jahr zu ignorieren? Statt sich vom CS-Verwaltungsrat auf der Nase herumtanzen zu lassen, könnten diese zum Schluss kommen, sich von den Aktien der CS und anderen Firmen, die permanent gegen die eigenen Governance-Richtlinien verstossen, zu trennen. Im Fall der CS hätten sie dies besser früher getan, denn seit Jahren verlieren sie nur mit den Titeln. Eine weitere Eskalationsstufe bestünde darin, auf die Bankdienste der Grossbank zu verzichten.