Kolumne

Medienkolumne: Die Welt ist lokal

Hand aufs Herz: Wann haben Sie den letzten Artikel über Syrien gelesen? Ich meine: ganz zu Ende gelesen? Bei mir ist es schon eine Weile her. Der endlose Konflikt beelendet und frustriert mich enorm. Ich kann nichts tun.

Und Syrien ist weit weg. Geografisch ist Syrien weit weg, das stimmt. Aber: Was in Syrien geschieht, betrifft uns direkt. Mittel- bis langfristig ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass der Krieg auch bei uns ganz konkrete Auswirkungen hat – zum Beispiel auf das Budget Ihrer Wohngemeinde.

Globale Entwicklungen wirken heute viel unmittelbarer ins Lokale. Das müssen Sie sich in der Zeitung aber selber zusammenreimen. Die Kämpfe in Syrien handeln wir im Auslandteil ab, wie viele Flüchtlinge zu uns kommen im Inlandteil. Die Diskussion über die Verteilung der Asylsuchenden auf die Gemeinden läuft im Kantonsteil, die Geschichte über die Herausforderungen für das Budget im Lokalen.

Aber: Ist das nicht alles zusammen eins? Müsste man nicht den grossen Bogen schlagen? Und die Geschichte durch die Brille des Lokalen anschauen und erzählen? Können wir heute das Geschehen wirklich noch so genau in «Wirtschaft» und «Politik» trennen?

Die Aufteilung unserer Zeitungen in Ressorts ist ein Erbe aus der analogen Welt. Man brauchte sie, um die Arbeit besser organisieren und für den Druck besser bündeln zu können. Im Digitalen bestehen diese organisatorischen und technischen Restriktionen nicht mehr. Lasst uns doch die neue digitale Freiheit für überraschende und neue Kombinationen von Themen nutzen!

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