Kommentar

Gesundheitspolitik: Die Wahl ist schon heute eingeschränkt

Das BAG schlägt eine Erstkonsultation beispielsweise durch telefonische Beratung vor, um das Gesundheitssystem zu entlasten. (Symbolbild)

Das BAG schlägt eine Erstkonsultation beispielsweise durch telefonische Beratung vor, um das Gesundheitssystem zu entlasten. (Symbolbild)

Nicht mehr bezahlen aber keine Einschränkungen hinnehmen, das ist das Dilemma der Gesundheitspolitik. Das System müsse vom Anfang der Behandlungskette reformiert werden, meint unser Autor.

Wir wollen alle nicht mehr Krankenkassenprämien bezahlen, als wir das heute tun. Aber wir wollen uns auch nicht einschränken lassen, wenn uns gesundheitlich etwas fehlt. In diesem Dilemma steckt die Gesundheitspolitik seit Jahren. Und seit der haushoch verworfenen Managed-Care-Vorlage hat sich daran nichts geändert. Nur dies: Die Kostenspirale dreht sich munter weiter.

Es liegt vor diesem Hintergrund auf der Hand: Das System muss nicht vom Ende der Behandlungskette her reformiert werden, sondern vom Anfang aus. Das heisst, dass die Weichen dann gestellt werden müssen, wenn wir ärztliche Hilfe brauchen. So wie es für viele, die in einem HMO-Modell versichert sind, schon heute der Fall ist. Die freie Arztwahl ist faktisch schon heute erheblich eingeschränkt. Und dies, ohne dass die medizinische Versorgung nachhaltig gelitten hätte.

Es wäre deshalb gescheit, nicht in den Chor derer einzustimmen, die aus nachvollziehbaren Eigeninteressen dagegen sind. Und auch nicht mit jenen mitzubrüllen, die stets «Staatsmedizin!» schreien, wenn der Gesundheitsminister in den «freien Markt» eingreift. Gewiss, an den Details muss noch gefeilt werden. Wer die ärztliche Erstberatung wahrnehmen wird und wer sie bezeichnet – das ist die heikle Frage. Und nicht jene, ob es mehr Koordination und Transparenz im Gesundheitsirrgarten braucht.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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