Nun denn, zwei Bundesräte (natürlich ist hier die Bundesrätin mitgemeint) streichen die Segel. Zwei Bundesräte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Gleiche Belastung, gleicher Lohn, und doch strahlt die eine noch wie ein Honigkuchenpferd, wie am ersten Tag, als sie noch mit der ganzen Bevölkerung duschen wollte. Der andere hingegen, der zum sogenannt «starken Geschlecht» gehörte, ist in sich zusammengefallen und könnte bald Werbung machen für die Spitex. Natürlich könnte man das Alter ins Spiel bringen, Schneider-Ammann ist 66, aber Doris ist ja mit 55 auch nicht mehr ein junger Hüpfer. Und abgesehen davon hat ja mal ein berühmter Philosoph gesungen: «Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!»

Der Unterschied hat aber wohl einen anderen Grund, und ich sage nur: Augen auf bei der Berufswahl! Während Leuthard, wie es ihr Name schon andeutet, recht leutselig ist, also kommunikativ und von einer Grundfröhlichkeit, die nur im schönen Aargau wachsen kann, strahlt Schneider-Ammann eine 360-Grad-Griesgrämigkeit aus. Dafür kann er nichts, da trifft die alleinige Schuld seinen ehemaligen Berufsberater, der ihm eingeredet hat, er wäre doch ein perfekter Bundesrat. Das war wohl der gleiche Berufsberater, der dem Stan Wawrinka geraten hat, Tennisspieler zu werden. Ich sehe da Parallelen, beide haben sicher ihre Verdienste, sehen aber bei ihrer Arbeit so aus, als ob es ihnen grausam «stinken» würde. Und das macht keine Freude beim Zusehen. «Das Auge isst mit».

Er muss nicht gut aussehen, aber ...

Es wäre nun sicher falsch und ungerecht, bei Schneider-Ammann den alten Spruch zu bemühen: «Er hinterlässt eine Lücke, die ihn vollständig ersetzt.» Aber man wird das Gefühl nicht los, dass er froh ist, wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Natürlich muss ein Bundesrat nicht unbedingt gut aussehen, aber wenn er mir etwas erklärt, wäre ich froh, wenn er sich klar ausdrücken kann und ich nicht aus seinem Geschwurbel selber erraten muss, was er mir sagen möchte. Dafür gibt es sogar sehr günstige Migros-Kurse. Und wenn man schon mit der Muttersprache nicht gerade virtuos umgehen kann, sollte man es tunlichst vermeiden, dies auch noch in Sprachen zu tun, die man nur vom Hörensagen kennt. Gut, es gibt auch andere Bundesräte, von denen nur wenig übrig blieb, mein Paradebeispiel: Hans-Rudolf Merz hat uns viel Geld gekostet mit seiner USR II, und übrig blieb nur ein Youtube-Filmchen «Bü..Bü..Bündnerfleisch». Ich sage immer gern: «Das teuerste Bündnerfleisch der Welt». Oder Ueli Maurer, bei ihm denke ich immer: Ich weiss zwar nicht genau, was er macht, aber er stört nicht gross. Aber genau deshalb war die Erfindung des siebenköpfigen Bundesrats ein genialer Schachzug. Es braucht ja nicht nur Schrauben und Muttern, es braucht auch ein paar Unterlagsscheiben.

Lustig nur des Amtes wegen

Ich habe letzthin ein Interview gehört mit Moritz Leuenberger, der hat erstaunlich selbstkritisch an einem Beispiel die Umstellung erklärt, die ein Ausscheiden aus dem Amt mit sich bringt. Wenn er als Bundesrat einen Witz oder eine launige Geschichte erzählt habe, dann hätten alle rundherum gelacht. Dadurch bekomme man plötzlich das Gefühl, man sei lustig. Erst wenn man Jahre später den gleichen Witz erzählt und niemand lacht, merke man, dass die Reaktion nur dem Amt geschuldet war. Das ist stark, wenn man das selber so eingestehen kann. Er war ja auch so ein Beispiel, er gab einem immer das Gefühl, das «Bundesrat-Sein» tue ein bisschen weh. Seine Mitteilungen bekamen durch sein leicht schmerzverzerrtes Gesicht immer eine gewisse Dramatik.

Da war dann der Ogi schon eher das Gegenteil. Der konnte mit einem jämmerlich dürftig aussehenden Tannenbäumchen vor einem Tunnel im Schnee stehen und einen aufmunternden Appell an die Bevölkerung vom Stapel lassen. Und auch wenn er verkündet hätte: «Liebe Schweizer, in zwei Wochen gibt es kein Trinkwasser mehr auf der Welt!» – man hätte es nicht so tragisch gefunden und gedacht: «Nun denn, trinken wir halt Rivella.» Natürlich zählt nicht nur das, was ein Bundesrat verkündet, es zählt, was er macht. Ein stiller Schaffer ist mir hundertmal lieber als ein lauter Schwätzer, auch wenn er es rhetorisch brillant rüberbringt. Aber nicht sehr viel erreichen und das bisschen noch rhetorisch versemmeln, da wird es schwierig mit der Sympathie-Produktion. Natürlich kann man jetzt anführen, kritisieren sei immer leicht, man solle es zuerst mal besser machen. Aber ich möchte nicht Bundesrat werden, ich käme mit dem tieferen Gehalt nicht zurecht.