Antibiotika

Die Auswüchse tiefer Medikamentenpreise

Antibiotika müssen sparsam eingesetzt werden, damit ihre Wirksamkeit nicht sinkt.

Antibiotika müssen sparsam eingesetzt werden, damit ihre Wirksamkeit nicht sinkt.

Wer eine schwere Blasenentzündung oder eine Salmonellen-Vergiftung hat, geht zum Arzt, erhält ein Antibiotikum und ist innert kurzer Zeit wieder fit. Seit Jahrzehnten vertrauen wir auf die Wirkung der Bakterien-Killer. Die Frage ist: wie lange noch? Sollten die bösen Bakterien weiterhin fleissig Resistenzen gegen Antibiotika bilden, kann eine Infektion bald nicht mehr so einfach geheilt werden und schnell tödlich enden.

Um die Wirksamkeit zu erhalten, muss mit Antibiotika sparsam und sorgsam umgegangen werden. Das ist aber nur ein Ansatz. Fast ebenso wichtig ist es, neue Antibiotika zu entwickeln. Nur passiert das nicht. Als Grund werden «fehlende Anreize» angeführt. Denn ein neues Antibiotikum würde nur im Notfall eingesetzt, um dessen Wirkung lange zu erhalten. Pharmaproduzenten haben aber wenig Interesse daran, ein Medikament auf den Markt zu bringen, das sich kaum verkauft. Die Investitionen in Forschung, Tests und Zulassung sind hoch. Wenn eine Firma eine Milliarde investiert, will sie das über den Verkauf wieder einholen. Offenbar ist das bei Antibiotika nicht möglich.

Auswüchse des Medikamentenmarkts zeigen sich auch bei herkömmlichen Antibiotika, die nur noch in Asien hergestellt werden. Wir leben heute in einer Abhängigkeit von Produktionsländern, die sicherheitspolitische Bedenken weckt. Der Druck auf die Preise hat eine Kehrseite: Die Verfügbarkeit lebenswichtiger Medikamente hängt plötzlich von der Laune der Chinesen ab. Anstatt dieser Entwicklung weiter zuzusehen, sollten Forschung und Herstellung von Antibiotika gezielt gefördert werden.

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