Das politische Thema der Stunde ist die Klimapolitik, das haben die Wahlen im Kanton Zürich eindrücklich untermauert. Es ist derzeit in aller Munde. Vom zweiten grossen Umwelt-Problem unserer Zeit kann man das nicht behaupten. Kaum jemand spricht über die Biodiversität und darüber, wie schlecht es um sie steht. Dabei warnen Wissenschafter, dass das Wegsterben von Pflanzen und Tieren für die Umwelt ähnlich gefährlich ist wie der Klimawandel. Angekommen ist diese Botschaft allerdings auch in der Schweiz noch nicht. Rund 60 Prozent der Befragten beurteilen den Zustand der Biodiversität in der Univox-Umweltstudie von 2016 als gut bis sehr gut.

Mit der Realität hat das nichts zu tun. Laut Bundesamt für Umwelt ist fast die Hälfte der Schweizer Arten potenziell in Gefahr. 11 Prozent sind stark gefährdet, 5 gar vom Aussterben bedroht – und 3 bereits ganz verschwunden. Die Roten Listen im Land werden immer länger, wertvolle Lebensräume gehen verloren. Das Problem ist nur, dass das kaum jemand spürt. Der Biodiversitätsverlust drängt sich nicht ins Bewusstsein, wie das der Klimawandel mit heissen Sommern tut. Er ist eine leise Katastrophe.

Dank der Initiativen wird die Biodiversität nun auf der politischen Agenda nach oben rücken. Es ist an der Zeit, darüber zu sprechen, ob wir zu ihrem Schutz mehr Fläche und Geld bereitstellen wollen. Eines steht fest: Wir sind auf Biodiversität angewiesen, etwa auf die Bienen, die viele Pflanzen bestäuben. Wenn Pflanzen und Tiere verschwinden, gehen neben der Vielfalt auch Leistungen verloren, ohne die es nicht geht. Sie zu ersetzen, kostet Geld. Es wird also teuer, so oder so.