Kommentar

Chinas Umgang mit den Uiguren ist eine Schande

Immer wieder Ziel chinesicher Repression: Uiguren. (Archiv)

Immer wieder Ziel chinesicher Repression: Uiguren. (Archiv)

Gegen eine Million Uiguren sitzen in Straflagern. Pekings Umgang mit der ethnischen Minderheit zeigt, wie gefährlich ein autoritärer Überwachungsstaat werden kann.

Berichte über die Masseninhaftierung von Uiguren gibt es schon länger. Doch erst seit ein paar Tagen herrscht Gewissheit. Recherchen eines internationalen Journalistennetzwerks zeigen: China hält bis zu einer Million Uiguren unrechtmässig gefangen.

Beobachter sprechen von «Konzentrationslagern für Gehirnwäsche». Das vermeintliche Verbrechen, das die Uiguren begangen haben: Sie sind Moslems mit anderen Sitten und Bräuchen als in China üblich. Der Pekinger Führung ist das suspekt. Die ethnische Minderheit soll unter Zwang assimiliert werden. Das wäre, wie wenn in der Schweiz alle Tessiner in Lager gesteckt und dort germanifiziert würden. Freiheit und Menschenrechte werden aufs Gröbste missachtet. China verhält sich wie ein Schurkenstaat.

Angesichts solcher Nachrichten reagiert die Weltöffentlichkeit erstaunlich desinteressiert. Dass Bürger in autoritären Staaten wie Russland, Iran oder Saudi-Arabien nicht aufbegehren und sich mit den Uiguren solidarisieren, ist nachvollziehbar. Doch die moralische Trägheit, die viele Mitbürger bei uns im Westen ereilt hat, ist besorgniserregend.

Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat sind nicht gottgegeben. Sie müssen immer wieder neu erstritten werden. Es ist daher zentral, wie sich Demokratien wie die Schweiz gegenüber China verhalten.

Duckmäusern wir, um die Geschäfte mit dem Riesenreich nicht zu gefährden? Oder stehen wir zu unseren Werten und setzen uns für bedrohte Völker wie die Uiguren zur Wehr? Es kann nur eine Antwort geben.

Klar: Forderungen nach Sanktionen sind übertrieben. Es bringt nichts, Brücken abzureissen und sich an handelspolitischen Feindseligkeiten zu ergötzen. Wenn wir nur noch Austausch betreiben wollten mit Ländern, die Menschenrechte achten, wäre die Zahl der Partner sehr überschaubar.

Doch seien wir nicht naiv. Chinas Modell einer digitalen Totalüberwachung im Dienste eines autokratischen, gewaltbereiten Regimes, ist eine Gefahr für jede liberale Ordnung. Pekings weltweiter Einfluss wächst. Passen wir auf, bevor es zu spät ist. Der skandalöse Umgang mit den Uiguren sollte Weckruf genug sein.

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