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Zweite Basis, doppelt so viele Jets – weitet Putin Kampf in Syrien aus?

Gemäss arabischen Medien wird Moskau seine Präsenz in Syrien massiv verstärken. Bald sollen russische Kampfflugzeuge von einem zweiten Stützpunkt nahe Homs aufsteigen. Derweil machen Spekulationen um eine mögliche Absetzung Assads die Runde.

Michael Wrase, Limassol
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Ein russischer SU-24 Kampfbomber auf der syrischen Luftwaffenbasis nahe Latakia.

Ein russischer SU-24 Kampfbomber auf der syrischen Luftwaffenbasis nahe Latakia.

Keystone

Russland hat offenbar damit begonnen, seine militärische Präsenz in Syrien massiv zu verstärken. Nach Informationen der kuwaitischen Tageszeitung Al Rai, die sich auf regierungsnahe Quellen in Damaskus beruft, werden russische Kampfflugzeuge schon bald von einem zweiten Stützpunkt zu Angriffen auf „ausgewählte Ziele“ starten. Es handelt sich um den Militärflughafen Al-Shayrat, der 25 Kilometer südlich von der zentralsyrischen Grossstadt Homs entfernt liegt. Auf der Basis sollen bis zu 50 Flugzeuge stationiert werden. Damit würde sich die Zahl der russischen Kampfjets in Syrien auf etwa 100 verdoppeln.

Regierungstruppen haben Oberwasser

Seit Ende September nutzt die russische Luftwaffe den Stützpunkt Hmeimim im Süden der Mittelmeermetropole Latakia für ihre Angriffe auf Stellungen des IS, der Kaida-Filiale Nusra-Front sowie einiger eher gemässigten Rebellengruppen. Die Bombardements dienten zunächst der Stabilisierung des Assad-Regimes, das im Frühjahr und Sommer unter massiven Druck der Aufständischen geraten war.

Inzwischen hat sich das Blatt zugunsten der Regierungstruppen gewendet. Im Grossraum Aleppo, in den Bergen östlich von Latakia sowie auch in der Region Damaskus befinden sie sich wieder auf dem Vormarsch. Ohne die Unterstützung von iranischen, irakischen sowie libanesischen Milizen wären die Geländegewinne aber kaum möglich gewesen.

Die russische Militärbasis in Latakia wird auch von Raketensystemen geschützt.
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Rund 50 russische Kampfjets sind gegen Ende November in Syrien im Einsatz. Im Bild: Ein SU-24 Kampfbomber.
Ein russischer SU-24 Kampfbomber auf der syrischen Luftwaffenbasis nahe Latakia.
Russische Botschaft auf den Bomben: «Für unsere Völker»
Ein Soldat versieht eine Bombe mit der Aufschrift: «Für Paris»
Russische Lenkwaffen auf Raketen-Kreuzer «Moskva» nahe der Küste bei Latakia.
Russische Raketen zum Schutz der Basis bei Latakia.
Blick von der Brücke des russischen Raketen-Kreuzers «Moskva» in der Nähe der syrischen Küstenstadt Latakia.

Die russische Militärbasis in Latakia wird auch von Raketensystemen geschützt.

Keystone

Rückeroberung von Palmyra

Von der Mitte Dezember bezugsfertigen Militärbasis Al-Shayrat bei Homs werde die russische Luftwaffe eine Grossoffensive der Assad-Armee und ihrer schiitischen Verbündeten zur Rückeroberung der vom IS besetzten Wüstenstädte Palmyra und Qaryatayn unterstützen, berichtet die Zeitung Al Rai weiter. Ziel der Vorstösse ist es, die islamistischen Terrormilizen in ihrer Hochburg Rakka im Osten von Syrien zu isolieren. Nachhaltige Erfolge sind dort wahrscheinlich nur dann möglich, wenn die russischen Militärplaner ihre Strategie mit Frankreich und den USA koordinieren. Die Luftwaffen beider Länder operieren ebenfalls im Osten Syriens.

Die USA unterstützen dort ein von kurdischen Milizen dominiertes Militärbündnis, das gegen den IS bereits grössere Geländegewinne erzielt hat. Russland setzt auf die syrische Armee, die inzwischen auch von Deutschland und Frankreich als hilfreiche Streitmacht im Kampf gegen den IS umworben wird. Als Vorbedingung für eine Kooperation mit den Regierungstruppen wird allerdings der Rücktritt von Machthaber Baschar al Assad genannt, der sich der vollen Rückendeckung Moskau erfreuen kann.

Militärputsch gegen Assad?

Dass die syrische Armee im Kampf gegen den IS gebraucht wird, steht ausser Frage. Die im Irak gemachten Fehler, wo nach der US-Invasion im Jahr 2003 die Auflösung der irakischen Armee den Aufstieg des IS ermöglichte, sollen nicht noch einmal wiederholt werden. Westliche Diplomaten in Damaskus gehen davon aus, dass syrische Generäle eines Tages die Macht in Syrien übernehmen könnten. Den Zeitpunkt für eine „stille Palastrevolution“ dürfte allerdings Moskau bestimmen, das im Januar oder Februar noch einen dritten Luftwaffenstützpunkt, die Basis Kweiris bei Aleppo, nutzen möchte.

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