US-Wahlen
Wie «The Donald» die Massen verzückte

Trump hat erkannt, dass ein Unternehmer und Fernsehstar, der auf die Kraft der Wiederholung setzt, auch in der Politik Erfolg haben kann.

Renzo Ruf, Washington
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Im ersten Moment war Donald Trump skeptisch. Als ihm der britische Fernsehproduzent Marc Burnett im Jahr 2002 vorschlug, eine Reality-Show mit dem New Yorker Geschäftsmann in der Hauptrolle zu entwickeln, schreckte er vor dem Angebot zurück. Solche Programme, erinnerte er sich später im Gespräch mit seinen Biografen, seien für die Unterschicht, für Menschen, die keine Aufgabe mehr im Leben hätten. Dann aber besann er sich eines Besseren. Denn er sah Potenzial in der Show, Potenzial für die «Marke Trump». Sein Flugzeug und sein Hotel im Spielerparadies Atlantic City werden in jeder Episode zu sehen sein, dachte er sich. Burnett, der mit TV-Schlagern wie «Survivor» ein Vermögen verdient hatte, gab dem Mittfünfziger recht. Die neue Show werde es ihm ermöglichen, eine jüngere Generation anzusprechen. Trump und Burnett wurden sich einig.

Der Lehrling

Die erste Episode von «The Apprentice» (auf Deutsch: «Der Lehrling») wurde im Januar 2004 ausgestrahlt. Das Intro zeigte Trump, wie er in einer Limousine durch New York chauffiert wird und sagt: «Ich bin Donald Trump und ich bin der grösste Bauunternehmer in New York» – eine Behauptung, die nachweislich falsch war.

Noch im selben Jahr ging das Firmenimperium des Hauptdarstellers zum dritten Mal bankrott. Trotzdem entwickelte sich «The Apprentice» zu einem Gassenhauer. Mehr als 20 Millionen Menschen schauten sich am Donnerstagabend jeweils an, wie Trump mit einem launigen «You’re fired» Kandidaten nach Hause schickte. Allein dies zeigt, wie talentiert Trump vor der Kamera agierte. «You’re fired» war nämlich in keinem Drehbuch zu finden; Trump erfand den Ausspruch spontan.

Vom Pleitier zum Macher

«The Apprentice» rettete Donald Trump. Plötzlich war der Bauunternehmer, der mit seiner Fluggesellschaft (Trump Airlines, 1988), mit seinem Football-Team (New Jersey Generals, 1985), seinem Radrennen und mit seinem Vorzeige-Spielcasino (Trump Taj Mahal, 1991) spektakulär gescheitert war, wieder ein erfolgreicher Macher.

Geldquelle

Zwölf Tage nach der Niederlage von Präsidentschaftskandidat Mitt Romney 2012 sicherte sich Trump den Wahlspruch "Make Amerkica Great Again". Vier Jahre später sollte dieser Slogan Tausende von Baseball-Mützen zieren und zu einer der wichtigsten Einnahmequellen seines Präsidentschaftswahlkampfs werden.

Der Erfolg der Fernsehserie schärfte auch seine Instinkte. 185 Folgen wurden schliesslich bis 2015 von «The Apprentice» ausgestrahlt: Und Woche für Woche konnte der Mann, der von seinem Umfeld ein «Milliardär im Overall» genannt wird, systematisch ausprobieren, welche Botschaften bei den Massen auf Zustimmung stiessen. Denn Trump hatte immer durchblicken lassen, dass er sich nicht damit abfinden wollte, bloss ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein. So brachte er sich regelmässig ins Gespräch für wichtige politische Ämter, im Staat New York oder in den USA. Im Jahr 2000 traf er sich in Minneapolis (Minnesota) mit dem Wahlkampfmanager eines Neo-Politikers, der ebenfalls entgegen sämtlichen Prognosen Erfolg gehabt hatte: Dem Wrestler Jesse Ventura, der 1998 als Kandidat der Reform Party zum Gouverneur von Minnesota gewählt worden war. Venturas Politberater gab Trump einige wichtige Worte auf den Weg. «Sei ganz einfach ehrlich», sagte er. «Es spielt keine Rolle, was du sagst, sondern wie du es sagst. Und sprich mit dem Publikum, nicht zum Publikum.»

Diese Botschaft verinnerlichte Trump, der Geschäftsmann, und Trump, der Entertainer. Zweimal liebäugelte er bereits mit einem Einstieg in den Präsidentschaftswahlkampf, 2000 und 2012. Nach der Wiederwahl von Barack Obama fasste er dann den Entschluss, sein Land vor dem Zerfall retten zu müssen. Zwölf Tage nach der Niederlage Mitt Romneys reichte Trump auf dem US-Patentamt einen Copyright-Antrag ein: auf den Wahlspruch «Make America Great Again». Vier Jahre später sollte dieser Slogan Tausende von Baseball-Mützen zieren.

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