Weltraumschrott
Look up! Warum uns Elon Musks Satelliten-Manie gehörig Angst machen sollte

Zwei Beinahe-Kollisionen zwischen amerikanischen Satelliten und einer chinesischen Weltraumstation führen zu irdischem Streit und erinnern uns daran, dass das Treiben am Firmament eine wachsende Bedrohung darstellt.

Samuel Schumacher
Samuel Schumacher
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Elon Musk greift nach den Sternen: Bis in wenigen Jahren will er mehr als 40'000 Satelliten ins All geschossen haben.

Elon Musk greift nach den Sternen: Bis in wenigen Jahren will er mehr als 40'000 Satelliten ins All geschossen haben.

Keystone

111 Millionen Stunden hat die Weltgemeinschaft über die Festtage damit verbracht, auf Netflix die Katastrophen-Komödie «Don’t Look Up» zu schauen. Der Film über einen riesigen Kometen, der geradewegs auf die Erde zustürzt, zieht die streamende Menschheit ganz offensichtlich in seinen Bann. Und auch wenn im wahren Leben weit und breit kein Komet zu sehen ist, der uns gefährlich werden könnte: Am Firmament spielt sich derzeit Beängstigendes ab.

Das hat sich kurz vor Weihnachten einmal mehr gezeigt. China hat bei der UNO Beschwerde gegen die USA eingelegt, weil die Internet-Satelliten von Elon Musks amerikanischer Firma SpaceX im vergangenen Jahr gleich zweimal gefährlich nahe an die chinesische Raumstation «Himmelspalast» gekommen sind. Man habe mehrere Ausweichmanöver vollziehen müssen, um das Leben der Astronauten zu retten, klagt Peking.

Die Vorfälle erinnern daran, dass Satelliten uns eben nicht nur hochauflösendes Kartenmaterial und schnelle Download-Raten bescheren, sondern auch allerlei Grund zur Sorge. Ihre wachsende Zahl (alleine SpaceX will in den kommenden Jahren mehr als 40‘000 metallene Trabanten in die Erdumlaufbahn schiessen) führt zu einem noch nie dagewesenen Gerangel am Firmament, das nicht nur das Leben der Astronautinnen gefährdet, sondern jederzeit in Form von aus der Bahn geputschtem Weltraumschrott unkontrolliert auf uns alle darniederprasseln könnte.

Der Weltraumvertrag, der die Nutzung des Alls durch die irdischen Nationen regelt, stammt von 1967. Bis auf ein paar geringfügige Ergänzungen ist seither wenig passiert. Die jüngsten Fast-Zusammenstösse wären Grund genug für die Entscheidungsträger des blauen Planeten, den Blick – ganz im Sinne der verzweifelten Wissenschafter im neuen Netflix-Blockbuster – mal wieder «nach oben» zu richten.

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