USA
Lügen, Kandidatur, Republikaner – Donald Trump meldet sich zurück

Donald Trump ist zurück auf der politischen Bühne. Am Sonntag hielt er an einer Konferenz rechtskonservativer Aktivisten seine erste Rede als Ex-Präsident. In seiner neuen Rolle ist Trump aber noch nicht angekommen.

Renzo Ruf aus Washington
Merken
Drucken
Teilen
Donald Trump bei seiner Rede.

Donald Trump bei seiner Rede.

Keystone

So richtig bei der Sache schien er nicht. Deshalb wirkte die erste politische Rede, die Donald Trump seit dem erzwungenen Auszug aus dem Weissen Haus in Orlando (Florida) hielt, am Sonntag in weiten Teilen aufgewärmt: Eine Ansammlung der besten Sprüche aus dem Wahlkampf 2020, ergänzt mit zusammengeflicktem Material über den verhassten Nachfolger und angebliche «sozialistische» oder gar «kommunistische» Exzesse des politischen Gegners. Deshalb wetterte Trump erneut gegen Windmühlen und gegen die angeblich «Millionen» von Flüchtlingen, die sich auf dem Weg nach Amerika befänden. Auch kritisierte er die Bürokraten in Washington, die ihn während seiner Amtszeit von 2017 bis 2021 unterminiert hätten.

Zu hören waren auch klassische Unwahrheiten wie diese: Kein anderer amerikanischer Präsident habe in der modernen Geschichte des Landes einen «derart desaströsen» Start wie Joe Biden hingelegt, behauptete Trump. Ein Blick auf eine aktuelle Meinungsumfrage zeigt, dass die Arbeit des Demokraten im Weissen Haus von etwa 54 Prozent der amerikanischen Bevölkerung geschätzt wird. Trump wurde im Februar 2017 von vielleicht 44 Prozent seiner Landsleute unterstützt – eine Differenz von 10 Punkten, die man nicht allein damit erklären kann, dass Trump-Anhänger keine Lust darauf haben, den Demoskopen Auskunft zu geben.

Trumps Rückkehr ins Rampenlicht.

Video Unit

Keine neue Partei geplant

Weil die Rede Trumps aber 90 Minuten dauerte, und er in der zweiten Hälfte dank der Zurufe der versammelten rechtskonservativen Aktivisten auf Touren kam, war der abgewählte Präsident für einige Neuigkeiten gut. So schloss er die Neugründung einer Partei aus, obwohl er im Januar noch entsprechende Pläne gewälzt hatte. Auch kritisierte Trump innerparteiliche Kontrahenten wie die Abgeordnete Liz Cheney («eine Kriegsgurgel») oder den Senator Mitt Romney («ein Wichtigtuer») in scharfen Worten. Er sagte, Republikaner, die seinen Kurs und den Kult um seine Person nicht unterstützten, «werden die Partei», die amerikanische Arbeiterschaft und letztlich das ganze Land zerstören.

Trump versprach, dass er dies nicht zulassen werde, auch wenn er gleichzeitig behauptete, dass die Republikaner eine geeinte Front gegen die Demokraten bildeten. Er sprach von seinem neuen Wahlvehikel (das den schwülstigen Namen «Rettet Amerika!» trägt) und rief die anwesenden Aktivisten dazu auf, Geld zu spenden – obwohl Trump doch normalerweise betont, dass er, mit einem geschätzten Vermögen von 2,5 Milliarden Dollar, nicht auf das Geld anderer angewiesen ist. Mit diesen Spenden würden künftig «starke, zähe und gescheite» republikanische Führungsfiguren unterstützt.

Trump behauptet erneut, er habe die Wahl 2020 gewonnen

So richtig Herzblut vergoss Trump in seiner Comeback-Rede vor allem dann, als er sich (einmal mehr) darüber beklagte, dass er am 3. November um seinen Wahlsieg gebracht worden sei. So sagte er, dass er sich vielleicht dazu entschliessen werde, die Demokraten «zum dritten Mal» zu besiegen. Wahr daran ist: Trump gewann 2016 mehr Wahlmännerstimmen, obwohl er landesweit weniger Stimmen als Hillary Clinton erzielte. 2020 gewann sein Kontrahent Biden landesweit nicht nur mehr Stimmen, er schlug Trump auch im «Electoral College» klar und deutlich.

Später sagte Trump, die Demokraten hätten die Präsidentenwahl manipuliert und leider hätten die Gerichte nicht den Mut gefunden, diese «Schande» zu korrigieren. Diese Kritik schloss auch den Supreme Court ein, das höchste Gericht im Land, an dem drei der neun Richter ihren Sitz Präsident Trump verdanken. «You won, you won», riefen seine Zuhörerinnen und Zuhörer in Orlando, «Sie gewannen, Sie gewannen.» (Den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar, der zum zweiten Amtsenthebungsverfahren gegen ihn führte, erwähnte Trump hingegen mit keinem Wort.)

Eine Frage allerdings wollte der Ex-Präsident nicht beantworten: Trump vermied es, bekannt zu geben, ob er bei der nächsten Präsidentenwahl wieder für die Republikaner antrete. Er versprach einzig, dass die Republikaner spätestens in vier Jahren wieder die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus stellen würden und ein Parteifreund im Weissen Haus wohnen werde. «Ich frage mich», sagte Trump dreimal, «wer das sein könnte», damit auch der letzte Zuhörer die Anspielung begreifen würden.

Goldener Trump in Badehose sorgt für Zwist

Vor dem Auftritt von Ex-Präsident Donald Trump wurde eine Statue enthüllt. Sie zeigt Trump ganz in Gold und mit Flipflops. Bei Anhängern ist sie beliebt, bei den Gegnern regt sich Besorgnis.

Video: Silvy Kohler