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Donald Trump ist verstummt – und hinterlässt eine kuriose Abschiedsnachricht

Knapp einen Monat lang hat der Ex-Präsident auf seinem Blog gewütet. In der Nacht auf heute Mittwoch war plötzlich Schluss. Fragt sich nur: Warum?

Samuel Schumacher
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Verstummt: Donald Trump blogt seit heute Nacht nicht mehr. Niemand weiss, warum.

Verstummt: Donald Trump blogt seit heute Nacht nicht mehr. Niemand weiss, warum.

AP

Anfang Mai lancierte der Ex-US-Präsident Donald Trump mit viel Brimborium seine eigene Social-Media-Plattform unter dem Titel «From the Desk of Donald J. Trump». Ein «Leuchtfeuer der Freiheit» sollte der neue Trump-Blog werden, versprach der 74-jährige Republikaner, der Anfang Jahr nach der von ihm angestachelten Stürmung des Kapitols in Washington von Facebook, Instagram und Twitter gesperrt worden war.

In gewohnter Manier zog Trump auf seinem Blog über alle her, die Kritik an ihm oder seinem politischen Vermächtnis übten. Doch in der Nacht auf heute Mittwoch ist das Trump’sche «Leuchtfeuer» urplötzlich erloschen. Um 00:11 Uhr unserer Zeit konnte man sich noch durch die teils ellenlangen Posts des Ex-Präsidenten scrollen. Eine Stunde später führte der Link zum präsidialen Blog ins Leere, wie unsere Redaktion herausgefunden hat: «Die Seite, die Sie aufgerufen haben, kann nicht gefunden werden», prangt seither neben einem Foto des winkenden Trump.

So sieht die die «From the Desk of Donald J. Trump»-Homepage jetzt aus.

So sieht die die «From the Desk of Donald J. Trump»-Homepage jetzt aus.

Printscreen

Eine Erklärung für den abrupten Übungsabbruch ist auf der Homepage nirgendwo zu finden. Trumps letzter Post stammt vom Nachmittag des 31. Mai, an dem die Amerikaner mit ihrem «Memorial Day» den Kriegsveteranen danken. Kurz vor 16 Uhr tippte Trump:

«Wow! Ich höre, es gäbe Tausende Boote, die vor Jupiter [Anmerkung: Stadt in Florida unweit von Trumps Wohnsitz Mar-a-Lago] eine Parade veranstalten, obwohl sie versuchen, uns zum Verstummen zu bringen. Alle haben eine grossartige Zeit. Heute ehren wir besonders jene, die für unser Land gedient und gekämpft haben. Ich liebe euch alle!»

Die Liebeserklärung zum Schluss entspricht nicht dem üblichen Stil des einst mächtigsten Mannes der Welt. Sie tönt nach Abschied, vielleicht gar nach einem von Verzweiflung oder Angst genährtem letzten Gruss.

Staatsanwalt Cyrus Vance könnte Trump gefährlich werden.

Staatsanwalt Cyrus Vance könnte Trump gefährlich werden.

Wikipedia

Grund zur Sorge hätte Trump auf jeden Fall. Ende Mai hat der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance eine sogenannte Grand Jury einberufen: ein Gremium von Bürgerinnen und Bürgern, die darüber entscheiden sollen, ob die von Vance gesammelten Beweise für Trumps womöglich kriminelle Vergangenheit für einen Prozess ausreichen. Konkret geht es um gesetzeswidrige Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen und um mögliche Steuer- und Finanzvergehen von Trumps Firmen. Dass Vance eine Grand Jury einberufen hat, deutet darauf hin, dass der Staatsanwalt sehr zuversichtlich ist, Trump vor den Richter zerren zu können.

Trumps Sprecher präsentiert faule Ausrede

Vielleicht waren es aber weniger die anstehenden Justizprobleme, sondern schlicht das angekratzte Ego, das Trump die Freude am Bloggen genommen hat: Zuletzt teilten gerade noch knapp 2000 Leute täglich Trumps gepostete Tiraden, wie die «Washington Post» kürzlich berechnete. Nicht gerade überwältigend für einen, dessen Twitter-Posts einst von 88 Millionen Followern gelesen wurden.

Trumps Sprecher Jason Miller sagte am Mittwochnachmittag, der Blog werde nicht wieder aufgeschaltet. Er sei sowieso «nur ein Zwischenschritt gewesen auf dem Weg zu etwas viel Grösserem».

Was Trump selber zu all dem denkt, kann man nun nicht mehr auf seinem Blog nachlesen. Wer weiter von ihm informiert werden will, muss sich für die neuen «Trump Alerts» registrieren. Geld spenden kann man Trump über dessen Homepage natürlich nach wie vor. Gut möglich, dass er das für die anstehenden Gerichtsverfahren brauchen wird.

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