US-Wahlkampf
Bruderkrieg bei den Republikanern? Was hinter der Attacke von Donald Trump auf Parteifreund Mitch McConnell steckt

Der abgewählte Präsident Donald Trump greift den einflussreichen Senator Mitch McConnell – obwohl die beiden Politiker doch eigentlich derselben Partei angehören. Trump ist getrieben von Rache, McConnell hingegen will zurück an die Macht.

Renzo Ruf, Washington
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Da waren sie noch Freunde, Donald Trump und Mitch McConnell (zweiter von links): Nach seinem Wahlsieg im November 2016 besuchte Trump zusammen mit Gattin Melania das Kapitol in Washington, um sich mit Parteifreunden zu besprechen.

Da waren sie noch Freunde, Donald Trump und Mitch McConnell (zweiter von links): Nach seinem Wahlsieg im November 2016 besuchte Trump zusammen mit Gattin Melania das Kapitol in Washington, um sich mit Parteifreunden zu besprechen.

Shawn Thew / EPA

Der Präsident ist unbeliebt, seine Partei zerstritten und intern wird die Kritik an der Kommunikationsstrategie der Demokraten immer lauter – eigentlich müsste sich der politische Gegner von Joe Biden zu Beginn des Wahljahres 2022 die Hände reiben. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Republikaner im November sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat in Washington Sitze zulegen werden.

Allein: Die Konservativen steigen alles andere als entspannt in den Wahlkampf. Denn unter zwei Aushängeschildern der Republikaner ist ein Streit ausgebrochen, der in der Oppositionspartei für Unruhe sorgt. Verantwortlich dafür ist niemand anderes als der ehemalige Präsident Donald Trump, der in seinem Exil in Florida Pläne für ein politisches Comeback schmiedet.

Der 75-Jährige befindet sich, mehr als ein Jahr nach seiner Abwahl, immer noch auf einem politischen Kreuzzug. Er will seine Partei säubern und sämtliche Politikerinnen und Politiker, die ihm spätestens nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 die Gefolgschaft aufkündigten, loswerden. Der wichtigste Name auf dieser Liste: Mitch McConnell, Senator aus Kentucky und seit 15 Jahren Fraktionschef der Republikaner in der kleinen Parlamentskammer.

In einem Spenden-Email, das Trumps Wahlkampfteam zu Wochenbeginn verschickte, wetterte der Ex-Präsident:

«Mitch McConnell spricht nicht für die Republikanische Partei, und er vertritt nicht die Ansichten der grossen Mehrheit ihrer Wählerinnen und Wähler.»

Der einflussreiche Senator sei bloss dem Namen nach ein Republikaner, sagt Trump; in Tat und Wahrheit halte er Biden die Stange und verteidige im Senat die angeblich radikale Politik der linken Bundesregierung. Deshalb verlangt Trump, dass der 79 Jahre alte Parteifreund in den Ruhestand geschickt und als Fraktionschef der Republikaner im Senat ersetzt wird.

McConnell sucht mehrheitsfähige Senatskandidaten

Eine weitere Erklärung für die Wut von Trump: McConnells Personalpolitik passt ihm nicht in den Kram. Während für den Ex-Präsidenten Loyalität das wichtigste Merkmal eines republikanischen Senatskandidaten ist, sucht der Senator für den Wahlkampf 2022 nach Politikern, die Trump nicht treu ergeben sind.

McConnell will von einer Fehde nichts wissen. Ihm gehe es einzig darum, für die Republikaner die Mehrheit im Senat zurückzuerobern, sagt der gewiefte Senator – damit seine Partei an den Schalthebeln der Macht in Washington wieder präsent sei.

Auf den ersten Blick ist diese Ansage nachvollziehbar. Aktuell stellen die Republikaner 50 der 100 Sitze im Senat. (Die Demokraten kontrollieren die kleine Kammer, weil bei einem Patt die Vizepräsidentin Kamala Harris den Stichentscheid abgeben kann.) Die Opposition muss also im November unter dem Strich nur einen Sitz dazu gewinnen, um in der kleinen Kammer die Macht zu übernehmen. Es wäre deshalb sinnvoll, würden die Republikaner in einigen der 34 anstehenden Senatswahlkämpfen Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen schicken, die auch unter Wechselwählern beliebt sind.

Zwei Absagen

Also klopfte McConnell beim beliebten Gouverneur von Maryland an, dem Republikaner Larry Hogan, der 2018 im tendenziell linken Ostküstenstaat mit 55 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit bestätigt wurde. Und er bearbeitete Doug Ducey, den Regierungschef von Arizona, und Chris Sununu, Gouverneur von New Hampshire. Alle drei wären formidable Kandidaten, die den amtierenden demokratischen Senatoren das Leben schwer machen könnten. Aber sie wollen nicht. Hogan und Sununu zeigten sich zwar geschmeichelt, sagten aber Nein. Ducey hat offiziell noch nicht abgesagt, alle Anzeichen deuten aber darauf hin, dass auch er keine Lust an einem Wahlkampf hat.

Denn der Gouverneur von Arizona weiss: Würde er ins Rennen steigen, müsste er sich in den parteiinternen Vorwahlen zuerst und vor allem gegen Trump behaupten. Dieser hat es Ducey nicht verziehen, dass er ihn nicht dabei unterstützte, den Sieg Bidens bei der Präsidentenwahl 2020 zu kippen. Und die fanatischen Anhänger des Ex-Präsidenten würden alles daransetzen, Ducey das Leben schwer zu machen. Das muss sich der Gouverneur, der erst 57 Jahre alt ist, nicht antun. Darunter wird letztlich die Republikanische Partei leiden, die mit Trump-Fanatikern ins Rennen steigen wird.