Terror in Brüssel
Unglaublicher Zufall: Deutscher Anwalt erlebte beide Bomben-Anschläge

Der Berliner Anwalt Marcus Schreiber reist seit 15 Jahren regelmässig nach Brüssel. Am Dienstag will es der Zufall, dass er bei beiden Bombenanschlägen am Flughafen und in der Metrostation vor Ort ist.

Drucken
Marcus Schreiner: «Ich versuche, diesen Tag irgendwann zu begreifen.»

Marcus Schreiner: «Ich versuche, diesen Tag irgendwann zu begreifen.»

Screenshot Spiegel Online

Als Marcus Schreiber am Dienstag um 8 Uhr die Ankunfthalle des Brüsseler Flughafens betritt, kommen ihm «hunderte von entsetzten Passagieren entgegen». Der Berliner Anwalt, der erst zehn Minuten zuvor mit dem Flugzeug von Berlin Tegel in Brüssel gelandet ist, versteht nicht, was vor sich geht. Sicherheitskräfte halten ihn auf erklären ihm, dass es kurz zuvor, um 7.58 Uhr, zu zwei Explosionen gekommen ist. Heute ist klar: Es waren zwei Selbstmordattentäter, die sich mit selbst gezündeten Bomben im Terminal in die Luft sprengten.

Die beiden Explosionen am Flughafen Brüssel töten mindestens 20 Menschen und richten enormen Sachschaden an.

Die beiden Explosionen am Flughafen Brüssel töten mindestens 20 Menschen und richten enormen Sachschaden an.

EPA

«Da gingen Trümmerteiel von der Decke, Löschwasser strömte herab. Es roch nach Rauch, überall lag Glas, die Halle war menschenleer», schildert er seine Eindrücke im Video-Interview mit Spiegel Online. Die Halle, die er nach 15 Jahren Pendeln von Berlin nach Brüssel vertraut war, erkennt er nicht wieder.

Doch die Geschichte ist damit noch keineswegs zu Ende. Marcus Schreiber entschliesst sich nämlich, wie geplant zu einem Konferenzhotel in die Brüsseler Innenstadt zu fahren. «Ich bin in Sicherheit», beruhigt er Familie und Freunde, die ihn anrufen.

Zehn Meter neben der U-Bahn-Station Maelbeek steigt er aus dem Taxi. Dann spürt er den Boden vibrieren. Es ist dritte Terror-Bombe, die unter ihm in der Station explodiert ist. «Eine unglaublich laute Detonation», erzählt er.

Diesmal wird ihm nicht von Sicherheitsleuten der Weg gewiesen. Stattdessen gibt er am Eingang der Metrostation den Menschen Orientierung, die von unten ins Freie taumeln und wegen der Dunkelheit, wegen des beissenden Rauchs nichts oder nur wenig erkennen. «Je länger ich in diesem Vorraum war, desto schlimmer sahen die Passagiere aus.» Er sieht blutüberströmte Menschen mit zerfetzten Kleidern. «Bilder, die ich so schnell nicht vergessen werde.»

Dunkelheit, beissender Rauch: Nach der Bombenexplosion in der Metrostation Malenbeek.

Dunkelheit, beissender Rauch: Nach der Bombenexplosion in der Metrostation Malenbeek.

AP

Schliesslich überwindet er sich, geht ein Stockwerk hinab zum Bahngleis. Dort bleibt er bei einer Verletzten, spricht ihr Mut zu, bis Polizisten und Soldten kommen. Schliesslich geht er wieder nach oben. Doch die Eindrücke wird auch er nicht so schnell hinter sich lassen können.

«Tatsächlich ist es für mich unfassbar: Ich erlebe an einem Tag zwei Bombenanschläge. Abends bin ich wieder bei mir zu Hause in Berlin. Unversehrt. Das ist ein unglaublicher Tag. Ich versuche, ihn irgendwann zu begreifen.» (pz)