Ukraine-Krieg
«Russland tötet, Amerika rettet»: Eindringlich bittet die ukrainische First Lady um weitere US-Waffenlieferungen

Olena Selenska ist in Washington empfangen worden wie ein Staatsgast. Die Gattin des ukrainischen Präsidenten packt die Gelegenheit beim Schopf, und fordert mehr Unterstützung.

Renzo Ruf, Washington
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Die ukrainische First Lady Olena Selenska während ihrer Ansprache im amerikanischen Parlamentsgebäude.

Die ukrainische First Lady Olena Selenska während ihrer Ansprache im amerikanischen Parlamentsgebäude.

Saul Loeb / Pool / EPA

Die Rede war kurz, aber prägnant. Die Ukraine sei dankbar für die Hilfspakete aus Washington, sagte Olena Selenska, die Gattin des ukrainischen Präsidenten, am Mittwoch während einer 15 Minuten dauerenden Ansprache im amerikanischen Parlamentsgebäude. «Russland tötet, Amerika rettet», sagte die 44-Jährige, die seit 2003 mit Wolodimir Selenski verheiratet ist.

So verbunden die Ukraine der amerikanischen Regierung aber auch sei, «der Krieg ist noch nicht vorbei». Deshalb, sagte Selenska vor ranghohen Abgeordneten der Demokraten und Republikaner, sei ihr Land auf weitere Waffenlieferungen angewiesen. «Um unser Zuhause zu schützen» benötige die Ukraine zum Beispiel Flugabwehrraketensysteme.

Amerika könne einen wichtigen Beitrag leisten, den russischen Terror zu stoppen – ein Terror, unter dem auch Zivilistinnen und Zivilisten litten. So zeigte Selenska während ihrer Rede Fotos von Kindern, die im Ukraine-Krieg getötet oder verletzt worden waren. Unter den Opfern befand sich auch die vier Jahre alte Lisa, die Downsyndrom hatte. Sie wurde vorige Woche in Winnyzja getötet.

Selenska von Biden und Blinken empfangen

Während ihres Kurzbesuchs in Washington sprach Selenska – als wohl erste Präsidentengattin überhaupt – nicht nur im Kongress; sie wurde auch von Joe und Jill Biden im Weissen Haus und von Antony Blinken im Aussenministerium empfangen. Der amerikanische Präsident überreichte ihr dabei ein Sonnenblumen-Bouquet, als Zeichen für die Solidarität der amerikanischen Bevölkerung mit der Ukraine.

Dieses Programm verdeutlicht, dass der Krieg in der Ukraine für die Regierung Biden immer noch Priorität geniesst, obwohl ein Strauss innenpolitischer Probleme dem Präsidenten zunehmend Kopfzerbrechen bereiten. Dazu passt, dass Verteidigungsminister Lloyd Austin am Mittwoch neue Waffenlieferungen ankündigte. So will Washington in den nächsten Tagen vier weitere Mehrfachraketenwerfer des Typus HIMARS in die Ukraine schicken – Waffen, die von den Ukrainern auf dem Schlachtfeld höchst effizient gegen das russische Militär eingesetzt werden, wie Austin sagte.

Ukraine verstärkt Kontrolle über Waffenlieferungen

Kiew wiederum versuchte am Dienstag, amerikanische Kritik an den milliardenschweren Hilfspaketen zu zerstreuen. Das ukrainische Parlament rief eine Sonderkommission ins Leben, die sicherstellen solle, dass westliche Waffenlieferungen nicht zweckentfremdet werden. Damit kommt Kiew auch amerikanischen Politikern entgegen, die seit einigen Wochen eine bessere Kontrolle über die Waffenlieferungen und Transferzahlungen fordern.

So hatte die konservative Abgeordnete Victoria Spartz, die 1978 in der damaligen ukrainischen Sowjetrepublik zur Welt kam, kürzlich vor laschen Kontrollmechanismen gewarnt. Wenn Amerika nicht aufpasse, dann würden Waffen, die eigentlich für die Ukraine bestimmt wären, plötzlich «in Syrien» oder Russland auftauchen, sagte Spartz kürzlich in einem Interview mit einer ukrainischen Publikation.

Die Regierung Selenski reagierte auf diese Aussagen empört. Aussenminister Dmytro Kuleba sprach von pro-russischer Propaganda, die Spartz «bewusst oder unbewusst» verbreite. Die Gründung der Kommission zeigt aber: Ignorieren kann Kiew diese Kritik nicht.