Ukraine-Krieg
Politischer Druck auf die Credit Suisse in Washington: Hielt sich die Schweizer Grossbank nicht an Russland-Sanktionen?

Eine Löschorder an potenzielle Investoren zeitigt Folgen: Ein Ausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses will von der Credit Suisse Auskunft über das heikle Russland-Geschäft erhalten.

Renzo Ruf, Washington
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Dicke Post aus Washington: Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses will von der Credit Suisse Auskunft über das Russland-Geschäft.

Dicke Post aus Washington: Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses will von der Credit Suisse Auskunft über das Russland-Geschäft.

Stefan Wermuth / Bloomberg

Die Geschäfte mit russischen Klienten bereiten der Credit Suisse weiter Kopfzerbrechen. Nun untersucht ein Ausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses, ob die Schweizer Grossbank die umfassenden Sanktionen gegen Russland verletzte. In einem Brief an CS-Chef Thomas Gottstein fordern die hochrangigen Demokraten Carolyn Maloney und Stephen Lynch Auskunft über Transaktionen im Zusammenhang mit der Finanzierung von Yachten und Privatflugzeugen russischer Oligarchen.

Hintergrund dieser amerikanischen Intervention: zwei Artikel der «Financial Times». Im Februar und März berichtete das Wirtschaftsblatt über die angeblichen Versuche der Credit Suisse, das Kreditrisiko im Russland-Geschäft zu reduzieren – indem potenziell heikle Kredite an Hedgefonds oder andere Investoren abgestossen würden.

In diesem Zusammenhang habe die CS mögliche Investoren instruiert, alle Informationen über diesen Deal zu zerstören oder permanent zu löschen. Aus einer Präsentation über verbriefte Wertpapiere im Wert von 80 Millionen Dollar sei hervorgegangen, dass sich unter den entsprechenden Assets wohl auch Kredite an russische Oligarchen befänden, deren Namen auf Sanktionslisten des Westens zu finden sind, heisst es sinngemäss in dem Brief an Gottstein.

Credit Suisse nennt die Löschorder branchenüblich

Die Credit Suisse dementierte die Berichterstattung der «Financial Times» Anfang März in einer Stellungnahme. Die Bank bezeichnete die Löschorder an potenzielle Investoren als branchenüblich. Es bestehe kein Zusammenhang mit den Sanktionen gegen Russland und russische Staatsbürger, denen sich auch die Schweiz angeschlossen hat. Auch schrieb die CS: «Die mit den Anlegern geteilten Dokumente enthielten keine Kundennamen» oder Kennzeichnungen, die es ermöglicht hätten, den Vermögenswert zu identifizieren.

Die beiden demokratischen Abgeordneten scheinen diesen Beteuerungen nun wenig Glauben zu schenken. Sie geben Gottstein Zeit bis am 11. April, eine Liste mit sechs Fragen zu beantworten. So wollen Maloney und Lynch umfassend Auskunft über das Russland-Portfolio der Bank erhalten und wissen, wie die Credit Suisse den Leumund der potenziellen Kreditnehmer überprüft habe. Die Demokraten wollen auch wissen, wer die potenziellen Investoren waren, die Interesse an den CS-Krediten zeigten.

Schwer vorstellbar, dass die Bank dieser Forderung nachkommen wird, auch unter Verweis auf die Schweizer Gesetzgebung. Die Bank wollte gegenüber amerikanischen Medien, die zu Wochenbeginn gross über den Brief der Abgeordneten berichteten, keine Auskunft geben.