Ukraine-Krieg
Genozid, Puppenspieler, Russenphobie: Das Propaganda-Interview der Gottéron-Legende Bykow

Slawa Bykow, der seit 2003 einen Schweizer Pass besitzt, sagt zudem in einem ausführlichen Interview bei einem russischen Blog, dass die Schweiz mit ihrer Tradition der Neutralität bricht.

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Wjatscheslaw Arkadjewitsch Bykow – genannt Slawa – war nicht nur im Welteishockey, sondern insbesondere auch in der Schweiz eine grosse Figur. Gemeinsam mit Andrei Chomutow bildete er bei Fribourg-Gottéron ein kongeniales Duo, das die Liga dominierte. 2015 wurde er Teil des Verwaltungsrats der Freiburger und blieb bis zum Austritt im Sommer 2021 sechs Jahre. Sein Sohn Andrei spielt heute noch bei den Drachen.

Slawa Bykow selbst macht derzeit mit anderen Dingen auf sich aufmerksam: Der frühere Nationaltrainer der «Sbornaja» hat einem russischen Blog mit dem Namen «Absatz» ein ausführliches Interview gegeben, in dem er sich zum Krieg, zur Ukraine und zu den westlichen Sanktionen äussert.

Slawa Bykow sass bis Sommer 2021 im Verwaltungsrat von Fribourg-Gottéron.

Slawa Bykow sass bis Sommer 2021 im Verwaltungsrat von Fribourg-Gottéron.

Keystone

Er nehme eine starke Russenphobie wahr im Westen und sei darüber empört, so der 61-Jährige. Leider seien viele Länder in Europa zu abhängig von den USA. Bykow sagt, er versuche seit 30 Jahren das russische Wesen den Schweizern zu vermitteln:

«Der Russe ist ein anständiger Mensch, der eher zu Hilfe kommt, als zu beleidigen.»

Angesprochen auf seine Meinung über Wolodimir Selenski, den Präsidenten der Ukraine, fragt der ehemalige Eishockeystar rhetorisch: «Gibt es dort einen Präsidenten? Es gibt Puppenspieler, die wissen, wie man die Fäden in diesem Theater zieht. Das ist alles.» Mit den Puppenspielern bedient Bykow ein altes antisemitisches Motiv.

Über die Schweiz meint der Vater zweier Kinder, sie werde leiden, wenn sie die Sanktionen gegen Russland mittrage: «Die Lebensmittelpreise steigen, die Benzinpreise steigen, die Energiepreise werden mit Sicherheit steigen. Die Schweiz war schon immer neutral, aber mittlerweile ist die Propaganda offenbar so stark, dass selbst mit dieser Tradition gebrochen wird», wird Bykow zitiert.

Die Trikotnummern von Bykow und Chomutow unter dem Dach des alten Eisstadions in Fribourg.

Die Trikotnummern von Bykow und Chomutow unter dem Dach des alten Eisstadions in Fribourg.

Keystone

Zudem verbreitet Bykow die russische Legende, man befreie im Krieg – der im Interview konsequent «Sondereinsatz» genannt wird – die Ukraine von den Nazis: «Der Vater meiner Frau hat im Zweiten Weltkrieg Nazis bekämpft. Was wir jetzt sehen, sind Echos des damaligen ukrainischen Nationalismus.» Bykow sagt:

«Die heutige Generation wurde einer Gehirnwäsche unterzogen.»

Weiter spricht Bykow von «russischer Hilfe im Donbass» und von Menschen, die angeblich einen Völkermord miterleben mussten. Von russischer Seite wurde wiederholt behauptet, ukrainische Truppen hätten vor dem Angriff Russlands einen Genozid verübt. Unabhängige Stellen wie das UNHCHR oder die OSZE-Beobachtermission konnten jedoch keine Hinweise auf einen Genozid feststellen.

Diese ungefilterte Verbreitung von russischer Propaganda dürfte auch in Freiburg für grosses Aufsehen sorgen. Bykow ist eine der grössten Legenden von Fribourg-Gottéron und besitzt seit 2003 den Schweizer Pass. Sein Trikot hing vor dem Umbau des Stadions an der Saane viele Jahre unter dem Hallendach. (abu, watson)